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Martin Bucer Seminar

Rushdoony, «Human Nature» · Lektion 4 · Erster Stand · Episode 1

Erkenntnis

Erkenntnis

Kolosser 3,5–10:

1. Mose 3,5–10 „Tötet nun, was irdisch ist an euch: Unzucht, Unreinigkeit, Leidenschaft, böse Begierde und Habsucht, welche Götzendienst ist. Um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams, in welchen ihr auch einst wandeltet, als ihr noch in ihnen lebet. Nun aber legt auch ihr das alles ab: Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung, schändliches Reden aus eurem Munde. Lügt nicht untereinander; denn ihr habt den alten Menschen mit seinen Werken ausgezogen und den neuen angezogen, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Bilde seines Schöpfers.“

In diesem Abschnitt führt der Apostel Paulus die bösen Werke der gefallenen Natur des Menschen an, die von den Gläubigen nun abgelegt worden sind, nachdem sie den neuen Menschen angezogen haben, der erneuert wird nach dem Bild dessen, der ihn geschaffen hat. Die Wortwahl an dieser Stelle ist sehr beachtenswert. Der Ausdruck „neuer Mensch“ läßt sich auch wiedergeben und vielleicht treffender als „der jugendliche Mensch“ übersetzen; mit anderen Worten: wenn wir in Jesus Christus erneuert werden, sind wir ein neuer Mensch, wir sind ein junger Mensch. Wir besitzen eine frische Fähigkeit zum Wachsen, zum Aufnehmen neuer Erfahrungen und zu deren Assimilation, und als Folge davon eine erneuerte Vitalität. Der alte Mensch und seine Werke sind abgeschafft, und der neue Mensch in Jesus Christus wird ständig erneuert.

Hier findet sich ein Kontrast, der auf den ersten Blick überraschend ist, und an anderer Stelle zieht der Apostel die Analogie heran. Doch hier, wo er den Kern der Sache behandelt — nämlich einerseits die bösen Werke des alten Menschen, andererseits die herrlichen gottgefälligen Werke des neuen oder jugendlichen Menschen in Jesus Christus —, stellt er nicht böse Werke und gute Werke einander gegenüber. Was er vielmehr tut, ist folgendes: Er nennt die alten Werke, die bösen Werke des alten Menschen, die wir zu töten, die wir abzutöten haben. Und nachdem wir den neuen Menschen oder den jugendlichen Menschen angezogen haben, werden wir in Bezug auf was erneuert? Gute Werke? Nein, in Erkenntnis. Nach dem Bild dessen, der ihn geschaffen hat. Dies ist eine überraschende Verwendung, aber Erkenntnis ist natürlich grundlegend für das Bild Gottes im Menschen. Das Bild Gottes im Menschen ist Erkenntnis, Gerechtigkeit, Heiligkeit, mit Herrschaft über die Geschöpfe. Als Folge ist Erkenntnis grundlegend für das Bild Gottes im Menschen. Wenn der Apostel Paulus jedoch das Wort Erkenntnis verwendet, gebraucht er eines von zwei griechischen Wörtern, das in der Schrift spezifisch für die Art der Erkenntnis verwendet wird, in der der Christ erneuert wird. Das Wort ist epignosis. Es gibt ein anderes griechisches Wort für Erkenntnis, nämlich gnosis. Von ihm leitet sich der Gnostizismus her, eine furchtbare Häresie, die die frühe Kirche einige Jahrhunderte lang plagte und die im Grunde die Perspektive des modernen Menschen darstellt. Was ist der Unterschied?

Gnosis ist Erkenntnis im Abstrakten. Wären wir an gnostischer Erkenntnis, an Gnosis interessiert, so würden wir, wenn es um die Erkenntnis einer Person ginge, feststellen, daß sie männlich oder weiblich ist. Dann würden wir die Bedeutung von Männlichkeit und Weiblichkeit analysieren, den Unterschied der Körperstrukturen, das vergleichende Gewicht, die vergleichende Größe und schließlich sagen: Genau das ist diese Person. Männlich oder weiblich, in all diesen Klassifikationen, die wir vorgenommen haben. Es wäre rein abstrakt!

Epignosis hingegen ist nicht abstrakt. Sie würde sagen: „Ja, all das ist wahr, aber diese Person ist auch meine Frau oder mein Mann mit diesen besonderen Eigenschaften, oder es ist ein Individuum, das ich kenne und liebe oder das ich kenne und verabscheue, weil es verworfen ist.“ Mit anderen Worten: Epignosis umfaßt nicht nur Erkenntnis, sondern bezieht die Erkenntnis auf uns und höchstens auf Gott, so daß es niemals Erkenntnis im Abstrakten ist. Unser Herr gebrauchte Epignosis, als er sprach: „Ihr werdet die Wahrheit erkennen.“ Ich bin die Wahrheit. Daher bedeutet die Wahrheit erkennen nicht nur, alles über Jesus Christus in bezug auf die Schrift zu wissen — darin liegt die ganze Fülle der Gnosis —, sondern auch, zu ihm in Beziehung zu stehen. Zu ihm zu sagen: Du bist mein Herr und mein Heiland. So umfaßt Epignosis zwar die Fülle der Gnosis, ist aber immer mehr als diese! Sie umfaßt eine Beziehung zur Person. Unsere Erkenntnis voneinander hier ist Epignosis. Wir betrachten einander nicht abstrakt, wir trennen einander nicht von Gott oder von unserem Verstand. Und so ist unsere Erkenntnis voneinander eine intensiv persönliche und immer eine religiöse. Wir suchen, einander im Licht von Gottes Wort, im Licht der Schrift zu beurteilen.

Wenn wir auf die Jahre zurückblicken, so sind wir an dem Punkt angelangt, an dem sich die Wege von manchen Menschen trennten aufgrund ihres Verhaltens, das eine Trennung bewirkte, aufgrund ihres Verhaltens unter Gott. Es war Epignosis, die uns von ihnen trennte, weil unsere Erkenntnis zu allen Zeiten eine religiöse war, niemals abstrakt. Abstrakte Erkenntnis, Gnosis, ist der Versuch, alles, den ganzen Menschen und alle Dinge, ohne Bezug auf Gott zu deuten. Was aber bleibt von einem Ding, wenn Gott von ihm abstrahiert wird? Alle Dinge sind durch ihn geworden, und ohne ihn ist nichts geworden, was geworden ist. Nimmt man Gott aus der Welt, so gibt es keine Welt mehr — nicht weil die Welt ein Teil von ihm wäre, das wäre falsch. Das wäre Pantheismus. Sondern weil die Welt von ihm geschaffen und von ihm erhalten wird, so daß sie ins Nichts auflösen würde, wenn Gott nicht wäre.

Der Versuch, die Wahrheit über sich selbst oder über andere — über den Ehegatten, die Ehefrau — unabhängig von Gott zu erkennen, indem man eine abstrakte Erkenntnis anstrebt, die Gott ausklammert, führt zu keiner Erkenntnis überhaupt. Denn in ihm leben, weben und sind wir. Deshalb hat Cornelius Van Til mit Nachdruck dargelegt: „Die Erkenntnis von irgendetwas ohne Gott ist unmöglich.“ Der Atheist verfällt in Schizophrenie.

Einerseits behauptet er, es gebe keinen Gott, alles sei Zufall; aber wenn alles Zufall ist, gibt es keinen Sinn, nichts kann wirklich existieren, und keine Erkenntnis ist möglich. Jeder Wissenschaftler, mag er noch so atheistisch sein, setzt bei seiner Arbeit absolute Gesetzmäßigkeit, ja Vorherbestimmung voraus. Er geht davon aus, daß bestimmte Dinge geschehen, bestimmte Naturgesetze gelten, bestimmte Tatsachen vorhersagbar sind — all das setzt nicht Zufall, sondern ein absolutes Gesetz voraus, einen Ratschluß göttlicher Vorherbestimmung. Genau dies aber erstrebten Adam und Eva, als der Verführer zu ihnen sprach: „Ihr werdet sein wie Gott, wissend Gut und Böse.“ Er versprach ihnen, Gut und Böse rein aus sich selbst zu bestimmen, die Götter der Schöpfung zu sein, die Dinge zu machen, so daß nichts bestünde, es sei denn, sie entschieden, es anzuerkennen und zu bestimmen: „Das ist seine Bedeutung, das ist seine Realität.“

Die Erkenntnis, von der die Schrift redet, ist Epignosis — persönlich, zuerst auf Gott bezogen und dann auf uns in Gott. Die von dem Menschen geforderte Erkenntnis ist Erkenntnis nach dem Bild dessen, der ihn geschaffen hat. Wo immer die Bibel von Erkenntnis spricht — es sei denn, sie übernimmt den Begriff im Sinne der Gottlosen —, meint sie Epignosis. Das Wort trägt, sowohl im Hebräischen als im Griechischen, diese Bedeutung: eine Erkenntnis, die zuerst auf Gott und seinen endgültigen Sinn bezogen ist und dann auf uns. So heißt es in 1. Mose 4,1: „Und Adam erkannte Eva, sein Weib.“ Dies bezieht sich eindeutig auf die eheliche Gemeinschaft, doch das Wort „erkennen“ wird für die geschlechtliche Vereinigung nur zwischen Mann und Frau gebraucht, wo sie in liebender Beziehung unter Gott steht.

Für Hurerei und Ehebruch hat die Schrift andere, sehr direkte Ausdrücke. Die eheliche Verbindung aber wird stets als „und er erkannte sie“ beschrieben. Warum „erkannte“? Weil sie eine persönliche Beziehung, eine Erkenntnis, eine Gemeinschaft unter Gott einschließt. Es ist das Erkennen des Gegenübers, des Mannes oder der Frau unter Gott und in Gottes Begriffen, so daß es mit Recht als Erkenntnis, als Wissen bezeichnet wird. Es ist persönlich, vor allem Gott-zentriert. Erkenntnis auf jedem Gebiet bedeutet Verständnis von Gottes Zweck für diesen Bereich, für diesen Gegenstand, für diesen Zweck. Sie ist daher Weisheit. Erkenntnis im biblischen Sinn ist Weisheit.

In den Sprüchen wird Erkenntnis zuerst als Unterweisung oder Zucht der Korrektur und Zurechtweisung bezeichnet, die nur mit Geduld und Zeit mühsam errungen wird. Zweitens ist sie Verstand oder Einsicht. Drittens ist sie kluges Handeln, guter Sinn, praktische Weisheit. Viertens ist sie Scharfsinn und Besonnenheit, sie sind weise Ratschläge. Und fünftens ist sie Erkenntnis oder Wissen, besonders von Gottes Wahrheit.

Sprüche 2,6:

Denn der HERR gibt Weisheit; aus seinem Munde kommen Erkenntnis und Verstand.

So ist in der Schrift Erkenntnis ganz gewiß immer unter Gott und in Bezug auf ihn und sein Personales. Nie abstrakt.

Zudem kann der Mensch der Erkenntnis Gottes nie entfliehen. Wenn ich mein Lager in der Hölle aufschlage, siehe, da bist du. Es gibt keine Erkenntnis, die jenseits Gottes liegt oder ohne ihn besteht. Als Adam und Eva eine Erkenntnis jenseits Gottes suchten, um Gott zu entfliehen und sich selbst zu finden, war das Ergebnis statt Erkenntnis Schuld und eine Flucht vor der Selbsterkenntnis. Sie verbargen sich vor Gott, dem Urheber aller Erkenntnis. Und sie verbargen sich, auf daß sie sich nicht einmal selbst erkennen möchten.

Deshalb sind Opiate ein so chronisches Problem der Gottlosen. Sie fliehen vor der Selbsterkenntnis und wenden sich daher Betäubungsmitteln oder Whisky oder Alkohol zu, als Flucht vor der Erkenntnis. Eines der Dinge, die mich bei meinem ersten Besuch in den Indianerreservaten sehr interessierten, war die Äußerung der christlichen Indianer über die Alkoholiker – das war der Großteil der Indianer –, sie erkannten, daß es eine religiöse Sache war! Sie flohen vor Gott, suchten Vergessenheit, Flucht vor der Erkenntnis durch Trunkenheit mit Alkohol.

Die Wiederherstellung der Erkenntnis bedeutet, daß wir den neuen Menschen anziehen müssen nach dem Bilde dessen, der ihn geschaffen hat. Gnosis führt zur Schuld und letztlich zum Selbstmord.

Sprüche 3,18:

Ein Baum des Lebens ist sie für alle, die sie ergreifen.

Den Christen gilt: „Ihr habt eine Salbung von dem Heiligen, und ihr wisset alles.“ Was bedeutet das? Es bedeutet nicht Gnosis! Es bedeutet nicht ein abstraktes faktisches Wissen von allem. Kein Mensch hat das oder kann es haben. Was es bedeutet, ist Epignosis. Es bedeutet, daß wir, solange wir nicht bekehrt sind, solange wir nicht Christen werden und jene Salbung vom Heiligen haben, für alle praktischen Zwecke blind sind. Wir haben keine wahre Erkenntnis. Wir sind wie ein Mensch, der so kurzsichtig ist, daß er nicht mehr sieht als die Finger vor seinen Augen. Alles ist vor ihm verborgen! Er hat keine Erkenntnis.

Die Salbung vom Heiligen, die Neuschöpfung in Jesus Christus zum neuen Menschen, verleiht Erkenntnis; sie legt gleichsam ein Brillenpaar an. Plötzlich wird alles sichtbar! Was hinter der Ecke liegt, bleibt zwar verborgen, doch da nun das Sehvermögen gegeben ist, genügt der Gang dorthin, um um jede Ecke zu blicken. Alle Dinge sind dem Prinzip nach erkannt, weil sie auf Gott bezogen werden können. Das Prinzip, durch das alle Erkenntnis möglich wird, ist vorhanden. Als aber Adam und Eva suchten, Dinge zu erkennen, gottgleich zu sein, Dinge unabhängig von Gott zu erkennen, verblendeten sie sich selbst und konnten keine wahre Erkenntnis mehr erlangen.

So ist die epignosis das Erbe des Christen. Darum ist der Christ letztlich der einzige Halt. Darum welkte alles Lernen, das in nichtchristlichen Weltbereichen zeitweilig aufblühte, rasch wieder. Die Geschichtsbücher rühmen das sogenannte Zeitalter der Aufklärung und die Renaissance als „große Periode des Lernens“. Vor einigen Jahrhunderten unter den Muslimen, den Arabern. Was sie verschweigen: Ein Gelehrter, der in den zwanziger und dreißiger Jahren nach zwanzig bis dreißig Jahren Studium forschte, stellte fest: Zwar gab es zeitweilig umfangreiches Lernen, ein gewaltiges Wachstum der Wissenschaft bei den Arabern. Doch es erstarb. Warum? Weil dieses Lernen von Söhnen christlicher Mütter stammte, die von den Arabern gefangen genommen worden waren. Es ruhte auf dem christlichen Hintergrund jener Söhne, oft auf einem verborgenen Glauben.

Eine solche Wissenschaft blühte, solange die Mächte des Islam vorrückten und gefangene Frauen assimilierten. Als der Nachschub an gefangenen Frauen versiegte, endete ihre Wissenschaft. Darum gab es außerhalb der christlichen Welt keinen Fortschritt. Darum wird er zurückweichen und verschwinden, wenn der Glaube schwindet. In wenigen Generationen ist er dahin. Denn Erkenntnis als Abstraktion geht letztlich zugrunde; sie tötet sich selbst. Die Universitäten von heute sind gnostische Anstalten, und was sie verbreiten, ist Gnostizismus. Ihre eigenen Kinder, die Söhne der Gnostiker, zerstören heute die Universitäten.

Die Universität ist eine mittelalterliche Institution, weil ihre Voraussetzungen christlich sind. Sie setzt einen Gott, ein Universum, ein Gesetz, eine Welt unter Gott voraus. Die moderne Universität versteht sich nicht mehr als „Uni“versität, sondern als „Multi“versität. Es seien beliebig viele Wahrheiten möglich; folglich gebe es keinen einen Gott, kein einziges Universum, kein einziges Gesetz. Ein Multiversum in einer Multiversität zerfällt notwendig; ihre Tage sind gezählt.

Das letzte mittelalterliche Institut zerstört sich selbst. Es kann nicht wiederaufgerichtet werden, es sei denn, der christliche Glaube wird wieder hergestellt. Die Gnosis, die Adam und Eva erstrebten — alles ohne Gott erkennen zu wollen als selbst Götter —, führt in den Tod. Wir aber haben eine Salbung vom Heiligen und erkennen alles, weil wir den neuen Menschen angezogen haben, der zur Erkenntnis erneuert wird nach dem Bilde dessen, der ihn geschaffen hat. Solche Erkenntnis ist ein Baum des Lebens für alle, die sie ergreifen.

1. Johannes 2,20.27: Ihr habt eine Salbung vom Heiligen und wisset alles.
Kolosser 3,10: Zieht den neuen Menschen an, der zur Erkenntnis erneuert wird nach dem Bilde dessen, der ihn geschaffen hat.
Sprüche 3,18: Sie ist ein Baum des Lebens für alle, die sie ergreifen.

Dies ist nicht möglich. Doch bedeutet dies nicht, daß wir ihnen feindselig gegenüberzutreten haben. Wir sollen vielmehr suchen, sie zur Erkenntnis Christi als des Heilandes zu führen, ihnen das Evangelium zu verkündigen. Es kann vorkommen, daß wir uns gegenüber Familienangehörigen aufgrund des Glaubens tief entfremdet fühlen. Wir lieben sie und hassen sie zugleich. Beides ist möglich. Wir lieben sie wegen ihrer uns eigenen Nähe und wegen dessen, was wir möchten, daß sie seien. Doch entbrennt unser Zorn über ihre Sünde und ihre Verkehrtheit. So suchen wir sie zu erreichen und ziehen uns zugleich von ihnen zurück.

Epignosis bedeutet, alle Dinge unter Gott zu erkennen, so daß wir einsehen, daß Gottes Zweck und Gottes Sinn das Bestimmende sind. Zur Veranschaulichung: In einer gottgefälligen Ehe erkennen sich Mann und Frau — sei es in der geschlechtlichen Vereinigung, sei es im täglichen Miteinander — im Sinne der Epignosis unter Gott. Ihre Beziehung wird von Gottes Gesetz bestimmt. In einer ehebrecherischen Beziehung hingegen liegt nicht Epignosis, sondern Gnosis vor; der Versuch, den anderen abstrakt zu gebrauchen.

Dasselbe gilt für die Natur. Wer die Natur ausbeuten will, um sich ihrer zu bedienen, macht sich der Gnosis schuldig. Im Rahmen der Schöpfung Gottes hingegen soll sie unter Gott und gemäß seinem Gesetz genutzt werden. Entsprechendes gilt für die Arbeit. Wenn jemand sein Fachgebiet besser zu erkennen sucht, um Gott besser zu dienen, den Menschen besser zu dienen, ein besserer Handwerker in seinem speziellen Beruf zu werden und seinen Haushalt besser versorgen zu können — das ist Epignosis. Sie bezieht sich stets auf einen Zweck, der über dem Ding selbst und über dem Menschen selbst liegt.

Glaube bedeutet, Erkenntnis in Beziehung zu Gott zu setzen und von dort aus zu suchen und zu forschen. Das ist Epignosis. Bei der Gnosis hingegen liegt eine vollkommen abstrakte Erkenntnis vor. Sie entspricht jenen Studenten, die in Indiana und anderswo Abtreibung diskutieren wollten, ohne jeden Bezug zu moralischen oder geistlichen Fragen. Für sie war es ein rein abstraktes Problem: ob der Eingriff frei, einfach und gefahrlos möglich sei, ein medizinisch sauberer Eingriff ohne Komplikationen. Da keine medizinischen Risiken mehr bestünden, müsse er auf Verlangen durchgeführt werden. Solches Denken ist Gnosis: der Versuch, Wissen über etwas zu erlangen, abstrahiert von Gott, abstrahiert von moralischen und personalen Fragen.

Esoterisch bedeutet verborgene Erkenntnis, im Gegensatz zu exoterisch, das öffentliche, offene Erkenntnis bezeichnet. Esoterisches Wissen ist vor Gott und Mensch gleichermaßen verborgen. Es ist die Erkenntnis, durch die der Einzelne als Gott eine Welt von Bedeutung errichtet. So wie Gott spricht: „Es werde Licht“, so spricht der Esoteriker: „Es werde Licht“. Bezeichnend ist, wie stark die esoterische Terminologie dieses Bildes vom Licht verwendet. In esoterischer Deutung handelt es sich um den Menschen, der Gott spielt. Der Name selbst trägt diese Bedeutung; eine der bedeutendsten esoterischen Organisationen hieß ursprünglich Lucifer Trust und benannte sich später in Lucis Trust um, weil der Name Lucifer Anstoß erregte. Die Idee blieb dieselbe. Viele esoterische Gruppen bezeichnen sich als Lichtbringer und spielen mit dieser gesamten Symbolik. Es ist ein privates Licht: sie bringen als Götter Licht in eine Situation, schaffen Licht aus Finsternis; da kein Gott da draußen ist, keine Bedeutung, setzen sie sich selbst als Lichtquelle und stiften Leben. Deshalb ist aller Esoterizismus im Kern gottfeindlich.

Der Begriff „esoterisch“ läßt sich nicht sinnvoll auf die Heilige Schrift anwenden. Wo der Herr davon spricht, daß der Sinn verborgen sei, meint er nicht eine esoterische Geheimlehre. Das Evangelium ist dem Unglauben verborgen, aber jedem Gläubigen zugänglich. Eine vermeintlich esoterische Auslegung der Gleichnisse — die es gegeben hat — stammt von jenen, die Jesus zu einem der verborgenen tibetischen Meister erklären wollen, der seine versteckten Jahre in Tibet verbracht habe. Solche Auslegungen führen notwendig zu radikal antichristlichen Lehren.

Das heidnische Recht kennt keinen echten Schutz der Familie vor dem Gesetz. Im römischen Recht konnte der Tod des Vaters für die Familie zur Katastrophe werden, weil uneheliche Kinder oder eine Geliebte als Alleinerben eingesetzt werden konnten und die legitime Familie enterbt blieb. Die Familie war rechtlos. Das christliche Erbrecht hingegen stellt die Familie unter den Schutz des Gesetzes und sichert ihre Rechte. Der moderne Staat nähert sich mit seinen Entscheidungen wieder dem heidnischen Prinzip an, das die Familie entrechtet.

Der Begriff „esoterisch“ läßt sich nicht sinnvoll auf die Heilige Schrift anwenden. Wo der Herr davon spricht, daß der Sinn verborgen sei, meint er nicht eine esoterische Geheimlehre. Das Evangelium ist dem Unglauben verborgen, aber jedem Gläubigen zugänglich. Eine vermeintlich esoterische Auslegung der Gleichnisse — die es gegeben hat — stammt von jenen, die Jesus zu einem der verborgenen tibetischen Meister erklären wollen, der seine versteckten Jahre in Tibet verbracht habe. Solche Auslegungen führen notwendig zu radikal antichristlichen Lehren.

Das heidnische Recht kennt keinen echten Schutz der Familie vor dem Gesetz. Im römischen Recht konnte der Tod des Vaters für die Familie zur Katastrophe werden, weil uneheliche Kinder oder eine Geliebte als Alleinerben eingesetzt werden konnten und die legitime Familie enterbt blieb. Die Familie war rechtlos. Das christliche Erbrecht hingegen stellt die Familie unter den Schutz des Gesetzes und sichert ihre Rechte. Der moderne Staat nähert sich mit seinen Entscheidungen wieder dem heidnischen Prinzip an, das die Familie entrechtet.

Zudem konnte es, wenn eine Witwe erbte, bedeuten, daß nahezu jeder Mann, der ihr Freund wurde, das Erbe den rechtmäßigen Erben entziehen konnte. Die Familie war somit in der antiken Welt außerhalb der Bibel dem Gesetz völlig hilflos ausgeliefert; sie besaß keinen rechtlichen Standard. Unter der Kaiserin Theodora – der Gemahlin Justinians –, die selbst eine solche tragische Erfahrung gemacht hatte, da sie aus einem nichtchristlichen Hause stammte, ihr Vater früh verstorben war und sie mit ihrer Schwester und Mutter in die Prostitution verkauft worden waren, setzte sie durch, daß das Gesetzbuch im Sinne der Schrift vollständig überarbeitet wurde, als ihr Mann Kaiser wurde. Das Ergebnis war, daß das Erbe in der Familie blieb. Eine Enterbung war bei einem vergeudenden oder verworfenen, ungläubigen Kind möglich, doch das Erbe konnte nicht der Familie entzogen werden. Ein uneheliches Kind hatte keinen Anspruch, eine Geliebte konnte nicht auftreten und Forderungen stellen. Das Erbe war Familienbesitz.

Heute steht die Rechtsordnung nur noch eine Stimme vor der Zerstörung dieses Prinzips. Zudem hat der Staat durch Erbschaftsteuern sich selbst zum ersten Erben gemacht. Ein aktueller Fall zeigt die Konsequenzen: Ein Erbe wird angefochten, weil einer der Erben, der in einem anderen Landesteil lebt, Schulden hat; man versucht, den Anteil aller Erben zu pfänden, um die Gesamtschuld einzuziehen. Mit anderen Worten: Das Recht wird stetig abgebaut, und das bedeutet die Zerstörung der Familie.

Es wird wieder so sein wie einst in der heidnischen Welt: Jedermann kann sich melden und behaupten, in einer Beziehung zum Verstorbenen gestanden zu haben – als Geliebte, unehelicher Sohn oder Freund – und Rechte am Nachlaß geltend machen. Oder er behauptet, ihm sei in Gegenwart von Zeugen etwas versprochen worden. Was wir heute im Namen der Gleichheit und gleicher Rechte für alle erleben, ist Krieg. Ein totaler Krieg wird gegen die Familie geführt.

Unter dem biblischen Recht, das einst in unserem Land galt, war das Haus eines Mannes seine Burg. Der Staat konnte nicht eintreten, um ihn zu besteuern; ein Eindringling nach Einbruch der Dunkelheit konnte erschossen werden, zu jeder Zeit verstieß ein Unbefugter gegen das Gesetz. Zudem war jenes Eigentum nicht nur der Besteuerungsgewalt des Staates entzogen, sondern das Erbrecht lag in der Hand der Familie und wurde von ihr kontrolliert. Es konnte nicht entfremdet werden. Heute wird dies angefochten – ein sehr ernster Tatbestand, weil er die Zerstörung der Familie zur Folge haben wird.

Es war ein harter Kampf der Christenheit, die Familie als grundlegende Einheit der Gesellschaft zu etablieren und sie gesetzlich zu schützen. Diese Gesetze werden nun systematisch abgebaut. Damit stellt sich nicht nur eine zivilrechtliche, sondern auch eine religiöse Krise. Eine Wende wird erst eintreten, wenn Glaube und christliches Wissen erneuert werden, damit die Dinge wieder in ihrer rechten Perspektive gesehen werden. Es mag hartherzig klingen, wenn jenem neunjährigen farbigen Mädchen sein Anteil an den fünfzehntausend Dollar verweigert wird; auf die Dauer jedoch dient es ihrem Wohl, weil damit die Familie als grundlegende Ordnungseinheit in Schrift und Zivilrecht gewahrt bleibt. Besitzt sie einmal eine Familie, so genießt sie Schutz, und ihre Kinder genießen Schutz — unter Heidentum gibt es keinen Schutz überhaupt.

In der heidnischen Welt bedeutete das Alter oder die Senilität eines Menschen einen wilden Wettlauf um dessen Vermögen. Man brachte ihn vor Zeugen dazu, alles zu versprechen, und ging dann vor Gericht, um jeden Anspruch von Ehegatten oder Kindern zu vernichten. Die Familie war die hilfloseste aller Einheiten, weil sie routinemäßig keine Rechte vor dem Gesetz besaß; jedermann hatte dieselben Rechte. Dies ist eine äußerst schwere Rechtskrise.

Heute wird der Begriff Familie stark mißbraucht. In den fünfziger Jahren erschien ein Buch mit dem Titel „The Family of Man“, das alle Menschen meinte. Seither wird das Wort Familie zunehmend so verwendet, daß es jede Person einschließt, während die Vorstellung der leiblichen Familie unter Gott als grundlegender Gesellschaftseinheit angegriffen wird. In „The Messianic Character of American Education“ wurde ein einflußreicher Erzieher zitiert, der die Familie als aristokratische Institution bezeichnete, die beseitigt werden müsse, weil jeder Elternteil das Beste für die eigenen Kinder wolle, nicht aber für die Kinder in Afrika, Asien oder den Slums sorge — ein schreckliches Unrecht. Zwischen Familie und Demokratie sei der Konflikt unausweichlich.

Es ist ein trauriger Umstand, wenn Krieg geführt wird und eine Partei nicht weiß, daß sie bekämpft wird — und zwar auf Leben und Tod. Genau dies ist die Lage heute: Weder in Kirchen noch in christlichen Schulen noch in Frauenvereinen wird darüber gesprochen, daß ein Krieg gegen die Familie geführt wird, der ihre völlige Auslöschung zum Ziel hat.

Die betreffende Familie gebrauchte das Wort im modernen, schriftwidrigen, letztlich sinnentleerten Sinne.

Ja, im Namen der Menschenrechte führen sie Krieg gegen die Eigentumsrechte; doch wenn sie Krieg gegen die Eigentumsrechte führen, so ist hier Gnosis am Werk: das Herauslösen eines Dinges. Eigentum existiert nicht im Abstrakten, Eigentum wird von Menschen besessen, es ist persönlich. Was sie also bekämpfen, wenn sie die Eigentumsrechte angreifen, ist die Familie. Das private Familieneigentum. Denn wenn ich Eigentum besitze, haben meine Frau und meine Kinder bestimmte Gemeinschaftsrechte an diesem Eigentum. Niemand sonst, nur sie. Deshalb ist Eigentum immer familienbezogen.

Die einzigen Orte, wo dies nicht der Fall ist, sind jene, wo noch alte heidnische Einflüsse fortbestehen, Texas und Louisiana, da sie gewisse französische und spanische Rechtstraditionen besitzen, die nicht christlich sind und in Bezug auf die Familie, insbesondere die Frau und das Eigentum, sehr hässliche Regelungen enthalten.