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Martin Bucer Seminar

Rushdoony, «Human Nature» · Lektion 5 · Erster Stand · Episode 1

Was ist der Mensch?

Psalm 8,1–9
Dem Vorsänger. Auf der Gittit. Ein Psalm Davids. Herr, unser Herrscher, wie
herrlich ist dein Name auf der ganzen Erde, der du deine Hoheit über die
Himmel gesetzt hast! Aus dem Mund von Kindern und Säuglingen hast du ein Lob
bereitet um deiner Bedränger willen, um den Feind und den Rachgierigen zum
Schweigen zu bringen. Wenn ich deinen Himmel betrachte, das Werk deiner
Finger, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: Was ist der Mensch, daß
du an ihn gedenkst, und der Sohn des Menschen, daß du auf ihn achtest? Du hast
ihn ein wenig niedriger gemacht als die Engel; mit Herrlichkeit und Ehre hast
du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrscher über die Werke deiner Hände gemacht;
alles hast du unter seine Füße gelegt: Schafe und Rinder allesamt, dazu auch
die Tiere des Feldes; die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, alles, was
die Pfade der Meere durchzieht.

Der achte Psalm ist ein messianischer Psalm, der nur im Licht der Auferstehung unseres Herrn verstanden werden kann. Das Neue Testament selbst gibt dafür das Zeugnis. Unser Herr zitierte den zweiten Vers dieses Psalms in der Karwoche, und zwar am Palmsonntag. Als er in Jerusalem einzog, riefen die Kinder im Tempel: „Hosianna dem Sohne Davids!“ Das mißfiel den Priestern und Schriftgelehrten, die forderten, man solle die Kinder zurechtweisen. Und gemäß Matthäus 21,16 sprach Jesus zu ihnen: „Hört ihr, was diese sagen? Habt ihr nie gelesen: ‚Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet‘?“ Damit machte unser Herr deutlich, daß der Psalm in ihrer Gegenwart erfüllt wurde.

Dann wurde der sechste Vers des Psalms vom heiligen Paulus in 1. Korinther 15,25–27 zitiert, wenn er die Bedeutung der Auferstehung erörtert. In Vers 24 heißt es, daß Christus alle Herrschaft und alle Gewalt und Macht niederwerfen wird. Dann fährt er fort: Denn er muß herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat. Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. Denn „er hat alles unter seine Füße gelegt“. Wenn aber gesagt wird, daß alles untertan sei, so ist offenkundig, daß der ausgenommen ist, der alles unter ihn getan hat.

Wiederum wird derselbe Psalm in Epheser 1,19–23 angeführt, wenn der Apostel Paulus dafür betet, daß die Gläubigen den Reichtum Gottes gegen sie und die überschwengliche Größe seiner Kraft an uns, die wir glauben, nach der Wirksamkeit seiner mächtigen Stärke wahrhaft erkennen mögen, welche er in Christus gewirkt hat, als er ihn von den Toten auferweckte und ihn zu seiner Rechten setzte in den himmlischen Örtern, weit über alle Fürstentümer und Gewalt und Macht und Herrschaft und jeden Namen, der genannt wird, nicht nur in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen, und hat alles unter seine Füße getan und ihn zum Haupt über alles der Gemeinde gegeben, welche sein Leib ist, die Fülle desjenigen, der alles in allem erfüllt.

Epheser 1,19–23
was auch die überwältigende Größe seiner Kraftwirkung an uns ist, die wir
glauben, gemäß der Wirksamkeit der Macht seiner Stärke. Die hat er wirksam
werden lassen in dem Christus, als er ihn aus den Toten auferweckte und ihn zu
seiner Rechten setzte in den himmlischen [Regionen], hoch über jedes
Fürstentum und jede Gewalt, Macht und Herrschaft und jeden Namen, der genannt
wird, nicht allein in dieser Weltzeit, sondern auch in der zukünftigen; und er
hat alles seinen Füßen unterworfen und ihn als Haupt über alles der Gemeinde
gegeben, die sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allen erfüllt,
Strict.

Sehr deutlich erfüllen nach dem Apostel Paulus in diesen beiden Stellen die Auferstehung den Psalm 8 und eröffnen dem Menschen ein herrliches Erbe. Im Hebräerbrief 2,5–9 wird dies noch deutlicher dargelegt. Denn wir lesen: „Denn nicht Engeln hat er die zukünftige Welt unterworfen, von der wir reden. Sondern jemand hat an einer Stelle bezeugt und gesprochen: Was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht als die Engel, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt und ihn gesetzt über die Werke deiner Hände; du hast alles unter seine Füße getan. Denn indem er ihm alles unterworfen hat, hat er nichts ausgenommen, was ihm nicht unterworfen wäre. Jetzt aber sehen wir noch nicht, daß ihm alles unterworfen ist; den aber, der wenig niedriger gemacht war als die Engel, Jesus, sehen wir um des Leidens des Todes willen mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt, auf daß er durch Gottes Gnade für jedermann den Tod schmecken sollte.“

Hebräer 2,5–9
Denn nicht Engeln hat er die zukünftige Welt, von der wir reden, unterstellt;
sondern an einer Stelle bezeugt jemand ausdrücklich und spricht: „Was ist der
Mensch, daß du an ihn gedenkst, oder der Sohn des Menschen, daß du auf ihn
achtest? Du hast ihn ein wenig niedriger sein lassen als die Engel; mit
Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt und hast ihn gesetzt über die Werke
deiner Hände; alles hast du seinen Füßen unterworfen." Indem er ihm aber alles
unterworfen hat, hat er nichts übriggelassen, das ihm nicht unterworfen wäre.
Jetzt aber sehen wir noch nicht, daß ihm alles unterworfen ist; wir sehen aber
Jesus, der ein wenig niedriger gewesen ist als die Engel wegen des
Todesleidens, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt; er sollte ja durch Gottes
Gnade für alle den Tod schmecken.

Sehr deutlich sprechen also Psalm 2 und Psalm 8 von der Auferstehung unseres Herrn und ihrer Bedeutung für uns alle. Bei der Abfassung dieses Psalms jedoch, als David die Größe von Gottes Namen betrachtete – „wie herrlich ist dein Name in aller Welt!“ – und die Herrlichkeit der Schöpfung ansah, die da sagt: „Deine Hoheit reicht über den Himmel hinaus“, da staunte er über die Majestät und das Gesetz und die Ordnung, den Gehorsam der ganzen Schöpfung gegen ihren Schöpfergott. Deine Himmel, das Werk deiner Finger, der Mond und die Sterne, die du bereitet hast. Dann wandte sich David dem Menschen zu. Und der Kontrast war augenfällig. Was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst? Der Mensch als Sünder, der Mensch als Rebell gegen Gott, der Mensch voll aller Grausamkeit und Schrecknisse, der Mensch, der sich selbst und seinen Nächsten Tag für Tag vernichtet. Der Kontrast war entsetzlich. Was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst?

David, von Gott inspiriert, sah den Menschen in all seiner Sünde und Verderbtheit. Weil er auch prophetisch vom Kreuz und von unseres Herrn Leiden und Tod schrieb, sah er auch, was das bedeutete.

Die Kreuzigung, wie sie zur Zeit Christi praktiziert wurde, stellte eine hochentwickelte und verfeinerte Form von Folter und Hinrichtung dar, der in der gesamten Geschichte kaum etwas Gleichwertiges an die Seite gestellt werden kann. Die Römer wandten sie etwa fünf Jahrhunderte lang an. Sie geschah mit gründlicher physiologischer Kenntnis; denn, wie ausgeführt wurde, besaßen die Römer zwar kaum Wissen um eine gesunde Medizin, waren jedoch hervorragende Chirurgen. Da die römischen Legionen von Feldchirurgen begleitet wurden, erlernten diese die Grundlagen der Chirurgie am Schlachtfeld und wurden zu Meistern feldmäßiger operativer Eingriffe. Folglich wußten sie genau, wie ein Mensch mit maximalem Leid hingerichtet werden konnte.

Das Kreuz bestand zu jener Zeit aus einem aufrecht stehenden Pfahl, der an einer festen Stelle dauerhaft verankert war. Es war T-förmig. Da jedoch oberhalb auf einem Pfahl eine Inschrift angebracht war, die den Verurteilungsgrund und die Tat angab, erhielt es gewissermaßen das Aussehen des traditionellen Kreuzes. Der Verurteilte trug das Querholz, das eingekerbt war und auf dem stehenden Balken auflag; es wog gewöhnlich neunzig bis hundert Pfund. Normalerweise konnte ein kräftiger Mann länger als einen Tag überleben, und es gibt Berichte von Männern, die drei Tage am Kreuz ausharrten — ein qualvolles, hingezögertes Sterben. Christus jedoch erlitt in gewisser Weise eine doppelte Hinrichtung; er mußte daher über außerordentliche körperliche Kraft verfügt haben und starb aus diesem Grund noch am selben Tag.

Die traditionelle Methode, einen Legionär, der sich eines Kapitalverbrechens schuldig gemacht hatte, hinzurichten, bestand darin, ihn mit der Flagelle totzuprügeln. Dies war eine kurze Peitsche mit einem Griff von etwa faustlanger Länge, gerade ausreichend für die Hand eines großen Legionärs, an dem mehrere Lederriemen von entsprechender Länge befestigt waren, deren Enden mit Metallstücken besetzt waren. Der erste Hieb über den Rücken riß das Fleisch auf und ließ Blut fließen. Dann wurde der Verurteilte systematisch geprügelt, bis die Knochen freilagen und er starb. Im Falle eines wie Christus, der einer doppelten Strafe unterworfen war, unterbrach der anwesende Feldarzt die Peinigung vor dem Todeszeitpunkt; der Mann wurde wiederbelebt, um für das Kreuz verschont zu bleiben. So wurde Christus zunächst bis an den Rand des Todes geprügelt, dann wiederbelebt; doch damit war seine Qual in jener Nacht noch nicht zu Ende.

Dann wurde ein Purpurmantel über ihn geworfen, um ihn zu verspotten; der Mantel verklebte sich sehr schnell mit seinem blutigen Rücken, so daß das spätere Abreißen die Qualen steigerte. Eine Dornenkrone wurde auf sein Haupt gedrückt, und man schlug ihn mit Steinen auf die Vorderseite. Da er keine Ruhe gehabt und durch die Geißelung an den Rand des Todes gebracht worden war, ist es kein Wunder, daß er unter der Last eines 40 bis 45 Kilogramm schweren Kreuzes auf dem Weg zusammenbrach und ein anderer in den Dienst gezwungen werden mußte, es zu tragen. Doch es zeugt von seiner Kraft, daß er, nachdem er an den Rand des Todes gebracht worden war, das Kreuz so weit tragen konnte und den Rest des Weges aus eigener Kraft zurücklegte.

Die großen Nägel wurden durch das Handgelenk getrieben. Die Arme waren nicht ausgestreckt, sondern angewinkelt, und die Füße wurden gebeugt, ein einziger Nagel durch beide getrieben. Die unmittelbare Folge war, daß die Reizung dieses Nervs und die Schmerzen zu einer Lähmung führten, da der ganze Körper an den Handgelenken hing, was sich auf die Lungen und den Brustkorb auswirkte, so daß sehr schnell Bewußtlosigkeit durch die Lähmung der Atemmuskulatur eintrat.

Dann füllte sich die Lunge mit Kohlendioxid, was Bewußtlosigkeit herbeiführte; darauf folgte eine krampfhafte Bewegung und ein Hochdrücken am Nagel, der durch die Füße ging. Dies preßte das Kohlendioxid aus, Luft strömte ein, und das Bewußtsein kehrte zurück. So entstand ein ständiges Hin und Her zwischen Bewußtsein und Bewußtlosigkeit für die Dauer der Kreuzigung.

Daher war es jedesmal, wenn unser Herr die sieben Worte vom Kreuz sprach, notwendig, daß er bewußt gegen den Nagel in seinen Füßen drückte, sich aufrichtete, die Luft auspreßte, um sprechen zu können. Die beiden Schächer waren nicht der Geißelung unterworfen worden und starben daher nicht vor Sonnenuntergang wie unser Herr; es war daher notwendig, der üblichen Praxis gemäß, ihnen die Beine zu brechen — die Schrift berichtet es —, damit sie nicht mehr, wenn sie in Bewußtlosigkeit sanken, sich unwillkürlich aufdrücken konnten, und so an Erstickung starben.

Die Qual des Kreuzes war also intensiv. Doch wie Dr. Davis bemerkte, noch größer war die Qual, der Sündenträger für sein Volk zu sein. DIES hat David im Sinn. Die Tiefe der Verderbtheit des Menschen, daß er den Herrn der Herrlichkeit kreuzigen konnte, die Tiefe der Verderbtheit, die sich täglich in der Geschichte offenbart — wenn er die Herrlichkeit der Schöpfung mit dem Menschen vergleicht, wendet er sich diesem zu und sagt:

Psalm 8,5–6
Was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst?

Der Sinn des Psalms besteht daher, da er die Herrlichkeit der Schöpfung Gottes und die Sünde des Menschen in den Blick nimmt, darin, daß er auch auf seine Wiederherstellung in Jesus Christus verweist! „Du hast alles unter seine Füße gelegt.“ Durch Christi Tod und Auferstehung, durch seinen Sieg ist der Mensch mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt worden. Der Mensch, der geschaffen wurde, um Herr über die Schöpfung zu sein, Herrschaft über die Erde auszuüben und sie sich zu untertan zu machen, sündigte und fiel. Aber Jesus Christus hat durch seinen Tod und seine Auferstehung, die Erstlingsfrucht der neuen Schöpfung, eine neue Welt, eine neue Schöpfung eingeleitet, deren Glieder wir in Jesus Christus sind. So werden die Herrschaft und die hohe Würde, die durch den Sündenfall verloren gingen, durch den Adam Jesus Christus wiederhergestellt. Und die ganze Welt, alle Engel, alle Fürstentümer und Gewalten sind Jesus Christus und uns in ihm untertan.

Hebräer 2,8
alles hast du seinen Füßen unterworfen." Indem er ihm aber alles unterworfen
hat, hat er nichts übriggelassen, das ihm nicht unterworfen wäre. Jetzt aber
sehen wir noch nicht, daß ihm alles unterworfen ist;

Wir befinden uns demnach in einer Zeit der Eroberung, in der alles in den Prozeß gestellt wird, Christus, seinen Füßen und unseren Füßen untertan gemacht zu werden, bis schließlich der letzte Feind, der Tod selbst, vernichtet und alles ihm wirklich untertan sein wird. Der Sinn ist vielmehr, daß Christus als der stellvertretende Mensch von den Toten auferweckt wurde.

Epheser 1,21–22
hoch über jedes Fürstentum und jede Gewalt, Macht und Herrschaft und jeden
Namen, der genannt wird, nicht allein in dieser Weltzeit, sondern auch in der
zukünftigen; und er hat alles seinen Füßen unterworfen und ihn als Haupt über
alles der Gemeinde gegeben,

Was Christus gehört, gehört uns. So daß, wie ein großer Heiliger der Kirche einst sagte: „Der zweite Adam hat mehr wiedergewonnen, als der erste Adam verlor.“ Und wir als sein Volk sind berufen. Berufen zu erobern. Die Schrift sagt den Heiligen Gottes, daß, wenn sie in seinem Vertrauen ausziehen, der Boden, auf den ihre Füße treten, der ihre ist im Herrn. Und so ist das Volk Gottes aufgefordert, auszuziehen und seine Füße in einen Bereich der Welt nach dem anderen zu setzen, in einen Lebens- und Tätigkeitsbereich nach dem anderen, in eine Wissenschaft, einen Beruf nach dem anderen …

Psalm 8,7–8
Du hast ihn zum Herrscher über die Werke deiner Hände gemacht; alles hast du
unter seine Füße gelegt: Schafe und Rinder allesamt, dazu auch die Tiere des
Feldes;

Der Mensch, der im Bilde Gottes wiederhergestellt worden ist, wird fortschreitend in die Herrschaft, in Gerechtigkeit, Heiligkeit und Erkenntnis hineingeführt. In die Herrschaft über diese Welt und die zukünftige Welt sind alle Dinge unter die Füße des Menschen in Jesus Christus gestellt und seiner Macht in Christus unterworfen. Gleichwie alle Dinge den Gottlosen fortschreitend entzogen werden, so werden — wie der Apostel Paulus hinzufügt — die Dinge, die da sind, erschüttert, auf daß nur das bleibe, was unerschütterlich ist. Die Geschichte ist daher ein großes Erdbeben; und gleichwie Erdbeben die Gebäude niederreißen, die nicht fest gegründet sind, so wird die Geschichte fortschreitend alles niederreißen, was nun auf dem Fundament Jesus Christus erbaut ist, auf daß allein das Unerschütterliche bestehe.

Alle Dinge sollen bleiben, alle Dinge sind unter seine Füße gelegt. Und unter unsere Füße in ihm. „Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du eine Macht gegründet um deiner Feinde willen, daß du den Feind und den Rachgierigen zum Schweigen bringest.“ (Psalm 8,3) Jeder Feind. Jeder Rachgierige. Der Umfang ist total. JEDER Mund wird verstummen, und JEDES Knie wird sich vor ihm beugen. (Philipper 2,10–11) Dies ist das Geschick des Volkes Gottes in Zeit und Ewigkeit. So endet dieser Auferstehungspsalm mit der herrlichen Erklärung: „HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen!“ (Psalm 8,2.10)

Die Schönheit dieses Psalms im ersten und im letzten Satz besteht darin, daß er von Gott redet in der Sicht der Auferstehung. Er beginnt und endet mit dieser Anrufung Gottes: „HERR, unser Herrscher, der du Himmel und Erde gemacht hast, bist durch den Sieg Jesu Christi in der Auferstehung unser Herr und hast alle Dinge unter unsere Füße gelegt.“ „HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen!“ (Psalm 8,2.10)

Das siebte und letzte Wort Jesu am Kreuz entstammt Psalm 31. In der aramäischen Sprache, nicht nach der King-James-Übersetzung oder dem hebräischen Originaltext, sprach er: „In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, HERR, du treuer Gott“ (Ps 31,6). Dieser Psalm besitzt eine besondere Bedeutung. Die Evangelien berichten, daß alle Anwesenden, als Jesus dieses letzte Wort aussprach und den Geist aufgab, von Entsetzen ergriffen waren, als sie in die Stadt zurückkehrten. Bis dahin hatten sie Christus verhöhnt und verspottet; zweifellos hatte auch das darauffolgende Erdbeben sie erschüttert. Doch warum zerbrach sie gerade dieses letzte Wort vom Kreuz so sehr?

Der Grund liegt darin, daß dieser Psalm das abendliche Gebet Israels war. Jedes Kind lernte es an der Mutter Knie; wenn Vater oder Mutter es abends zu Bett brachten, sprach es diesen Psalm als schönes Vertrauensgebet: „Du hast meine Füße auf weiten Raum gestellt und mich nicht in die Hand der Feinde preisgegeben“ (Ps 31,9). Er redet von Sieg mitten im Leid. Für jeden Israeliten jener Zeit rief das Sprechen dieses Psalms Erinnerungen an Frieden und Geborgenheit wach, an das Knieen am Bettrand unter der fürsorglichen Aufmerksamkeit der Eltern beim Abendgebet. Es war daher kein Wort der Niederlage, sondern ein Wort vollkommenen Friedens im Sieg. „In deine Hände befehle ich meinen Geist.“ Es wirkte zerschmetternd, weil Jesus trotz der Qual des Kreuzes nicht als Opfer, sondern als Sieger starb und seinen Sieg in einer Welt des Friedens offenbarte.

Psalm 31,6
In deine Hand befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, Herr, du treuer
Gott!

Lange Zeit wurde das Passah von Christen als christliches Passah gefeiert; hierzu findet sich ein Abschnitt im Anhang der Untersuchung zum biblischen Gesetz. Der Begriff „Passah“ (pascha) hat sich im spanischen Sprachgebrauch bis heute erhalten – man sagt nicht „Easter“, was ein heidnischer Begriff ist, sondern „pascua“. Dasselbe gilt für das Französische („Pâques“). Es ist die Passionszeit, der Passionstag, der auf das Passahland verweist. Es wäre geboten, zu einer biblischeren Bezeichnung für den Tag zurückzukehren statt „Ostern“, das von einer heidnischen Göttin hergeleitet ist.

Jahrhundertelang wurde das Osterfest in Verbindung mit einem jährlichen Passahlamm begangen und in einem Abendmahlsgottesdienst beschlossen. Diese Praxis war in der schottischen Kirche bis ins siebte und achte Jahrhundert hinein lebendig. Das Papsttum verurteilte sie wiederholt als „jüdischen Brauch“, und erst mit Mühe gelang es, sie zu beseitigen und den Gottesdienst umzugestalten. Ursprünglich wurde Ostern nach dem vierzehnten Mondtag gefeiert; auf welchen Wochentag auch immer dieser fiel, war der Paschatag. Erst später wurde das Fest auf den darauf folgenden Sonntag festgelegt. Der Name „Pascha“ hat sich in vielen Sprachen erhalten. Es handelt sich um das christliche Passah, die Erfüllung dessen, was das Alte Testament vorfeierte.

Die Frage nach dem Menschen erfordert eine grundlegende Klärung, die im weiteren Verlauf der biblischen Psychologie und der Erlösungslehre noch ausführlicher behandelt wird. Unmittelbar relevant ist sie jedoch bereits im Licht des biblischen Gesetzes, namentlich des Restitutionsgesetzes: Jeder Mensch hat für seine eigenen Sünden einzustehen. Dies ist im Gericht Gottes unvermeidlich. Da die Menschen jedoch unentrinnbar miteinander verwoben sind — kein Mensch lebt für sich allein —, tragen auch andere die Folgen unserer Sünden. Die Strafwirkungen der Sünde reichen also über den Sünder hinaus.

Ein Beispiel: Wenn ein Kind in der Familie — wie es in zahllosen Fällen vorkommt — in Drogenabhängigkeit gerät und schwer erkrankt, leidet das Kind; doch man bedenke das Leid der Eltern und Geschwister. Es ist eine wirkliche Qual. Die Strafe der Sünde trifft also nicht nur den Sünder selbst. Betrachte man die Geschichte, so zeigt sich, wie sehr wir unter den Sünden unserer Väter leiden.

George Mason von Virginia hatte 1787 größeren Anteil an der Ausarbeitung der Verfassung als jeder andere Einzelne. Abschnitt für Abschnitt ging auf sein Konto; dennoch verließ er die Versammlung vor deren Ende, krank vor Kummer, und verweigerte die Unterschrift. Er kämpfte gemeinsam mit Patrick Henry gegen die Verfassung, was ihn in Konflikt mit einem seiner engsten Freunde, George Washington, brachte, der ihn trotz aller Bedenken zur Unterstützung bewegen wollte. Mason konnte nicht. In den letzten Tagen der Versammlung war ein Kompromiss zwischen Nord- und Südstaaten zustande gekommen, der zwei Hauptpunkte betraf: Erstens wollte Mason, obwohl er selbst Sklavenhalter war, die Sklaverei schrittweise abschaffen lassen — etwa dadurch, daß alle nach einem bestimmten Stichtag geborenen Kinder von Sklaven frei wären. Dies hätte die Wirtschaft nicht erschüttert und niemandem geschadet; er hielt es für dringend notwendig. Zweitens verlangte er, daß der Bund keinerlei Befugnis zur Regelung des zwischenstaatlichen Handels erhalten dürfe; eine solche Vollmacht würde den Bundesstaat letztlich in einen totalitären Staat verwandeln. Die Nordstaaten boten an, die Sklaverei fortbestehen zu lassen, wenn der Süden die Regulierung des zwischenstaatlichen Handels akzeptiere. Dieser Handel wurde in den letzten Tagen der Versammlung besiegelt. Alle späteren Machtausweitungen der Bundesregierung haben ihren Ursprung in diesem Kompromiss.

Sowohl die Art, wie die Sklaverei durch den vierzehnten Verfassungszusatz und die Interstate-Commerce-Klausel abgeschafft wurde, als auch der Kompromiss selbst waren verfehlt. Mason hatte recht: Er prophezeite, daß dies eine furchtbare Ernte für das Land nach sich ziehen würde; ein Land, das eine so ruhmreiche Zukunft vor sich hatte, und er betrachtete jenen Kompromiß als Sünde, als sehr reale Sünde. Heute sehen wir, daß wir den Preis dafür gezahlt haben und noch zahlen. Die Probleme, die das Land von 1860 bis heute hat, sind allesamt Früchte jener Sünde.

So haben die Urheber nicht allein für ihre Sünde gebüßt; wir büßen dafür, und Gott allein weiß, wie lange wir noch für die damals begangene Sünde zahlen werden! Sünde hat also mehr als persönliche Wirkungen. Wenn ein Mensch in einem Mehrfamilienhaus ein Feuer legt, bedenke man die Folgen für alle Bewohner. Sünde hat daher weitreichende Konsequenzen. In Adams Sünde waren wir alle beteiligt.

So zahlen wir für unsere Sünden, aber andere zahlen> Römer 5,12: Darum ist es, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod, und so der Tod zu allen Menschen durchgedrungen ist, weil sie alle gesündigt haben.