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Martin Bucer Seminar

Rushdoony, «Human Nature» · Lektion 44 · Dritter und vierter Stand · Episode 5

Die Stiftshütte

Offenbarung 21,1–7:
1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. 2 Und ich, Johannes, sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet als eine Braut, die ihrem Manne geschmückt ist. 3 Und ich hörte eine große Stimme vom Himmel her, die sprach: Siehe, die Hütte Gottes ist bei den Menschen, und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein und ihr Gott sein. 4 Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz wird sein; denn das Erste ist vergangen. 5 Und der auf dem Throne saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu. Und er spricht: Schreibe; denn diese Worte sind gewiß und wahrhaftig. 6 Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Dürstenden geben von der Quelle des Wassers des Lebens umsonst. 7 Wer überwindet, wird alles erben; und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein.

Vor zwei Wochen begannen die Untersuchungen zur Natur des Menschen im Zustand der Herrlichkeit. Es zeigte sich eindeutig, daß Arbeit dem Leben des Menschen in der neuen Schöpfung eigen ist. Offb. 22,3 stellt klar und bestimmt fest:

Offb. 22,3: „Seine Knechte werden ihm dienen.“

Damit ist nicht nur gesagt, daß es in der neuen Schöpfung Arbeit für uns gibt, sondern daß diese Arbeit ohne die Auswirkungen von Sünde und Fluch, von Sünde und Tod, von Frustration verrichtet wird. Wie in der vergangenen Woche dargelegt wurde, wird der Baum des Lebens symbolisch so dargestellt, daß in der neuen Schöpfung Möglichkeit und Wirklichkeit eins sind. Der Baum des Lebens erscheint sowohl als einzelner Baum als auch als Wald. Er blüht unaufhörlich und trägt gleichzeitig Frucht, was bedeutet, daß Verheißung und Erfüllung, Möglichkeit und Wirklichkeit zusammenfallen. So haben wir nicht nur Arbeit in der neuen Schöpfung zu verrichten, sondern diese Arbeit ist ein Tun, das unsere Fähigkeiten und Talente völlig, vollkommen und perfekt zum Ausdruck bringt.

In der gegenwärtigen Welt gibt es relativ wenige Ernten; sie werden jedoch vollkommen sein. Wer jetzt eine gute Stimme hat, wird dann eine vollkommene Stimme haben. Jede Möglichkeit, alle Talente, die wir jetzt auszudrücken suchen oder die wir in uns selbst noch nicht einmal entdeckt haben, werden im Laufe der ganzen Ewigkeit volle und vollkommene Entfaltung finden.

Der Gegenstand dieser Woche, die Stiftshütte, steht in engem Zusammenhang mit den Untersuchungen der vergangenen zwei Wochen. Es ist zu beachten, daß eine der Schwierigkeiten bei der Behandlung dieses Themas — des Zustands der Herrlichkeit, des Lebens des Menschen in der neuen Schöpfung — nicht nur darin besteht, daß wir ihn trotz der Aussagen der Schrift nicht vorstellen können, sondern auch darin, daß müde Menschen ihre Ermüdung in die Zukunft projizieren! Wir haben uns alle immer wieder gesagt: Wenn ich dies oder jenes erledigt habe, werde ich ruhen, ich werde eine Pause machen. Doch die bloße Tatsache, es geschafft zu haben, belebt uns, um umso härter zu arbeiten. Wir werden durch Erfolg ebenso erfrischt wie durch anything else.

So haben wir die Gewohnheit, unsere Müdigkeit an dieser Welt und ihre Probleme auf die neue Schöpfung zu projizieren. Die neue Schöpfung wird uns in Begriffen dargestellt, die uns widersprüchlich erscheinen. Einerseits heißt es, sie sei der ewige Sabbat des Menschen, und Sabbat bedeutet wörtlich Frieden und Ruhe. Andererseits heißt es, sie sei der Ort ewiger Arbeit: Seine Knechte werden ihm dienen in alle Ewigkeit. Beides trifft zu. Denn wenn der Mensch sich vollkommen ausdrückt, findet er seinen vollkommenen Frieden und seine vollkommene Ruhe in jenem vollkommenen Ausdruck seines Seins.

Es gibt keinen größeren Frieden und keine größere Freude, als etwas zu tun und es gut zu tun. Und dies ist unser Leben in der neuen Schöpfung!

Offenbarung 21,1 „Und ich, Johannes, sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr.“

Deutlich wird eine neue Schöpfung offenbart; das Meer, das Symbol für Unruhe und Sturm, ist nicht Teil der neuen Schöpfung — das gilt zumindest für seine symbolische Bedeutung.

Wenn wir die Bedeutung der Neuheit dieser neuen Schöpfung analysieren, müssen wir erkennen, daß viele — insbesondere Prämillennialisten und Dispensationalisten — lehren, es handle sich um ein völlig neues Universum ohne jeden Bezug zur gegenwärtigen Welt. Dies war die jüdische Auffassung, und sie findet sich in vielen Stellen der Apokryphen wieder. So drücken beispielsweise das erste Henochbuch und das vierte Esrabuch diese Vorstellung sehr deutlich und nachdrücklich aus: Die gegenwärtige Schöpfung werde völlig vernichtet, die neue Schöpfung sei gänzlich neu.

Doch wie deutlich gezeigt wurde, wird hier gesagt, daß es sich um eine neue Schöpfung handelt, nicht im Sinne von neos, was „neu im Sinne von gänzlich neu“ bedeutet, sondern neu im Sinne von kainos. Dieses Wort wird sowohl für den Himmel als auch für die Erde verwendet. Kainos bedeutet nicht „neu geboren“, sondern neu an Qualität, neu an Natur, erneuert, umgestaltet. Damit besteht die neue Schöpfung in bestimmter Kontinuität zur gegenwärtigen, wenngleich völlig umgestaltet.

Sowohl Himmel als auch Erde haben eine Geschichte; sie wurden von Gott geschaffen. Beide sind zur Erneuerung bestimmt — das bedeutet, daß Gott seine ursprüngliche Schöpfung nicht verachtet, auch wenn er sie durch Feuer läutert.

Die Stelle, auf die sich die Vertreter einer totalen Vernichtung der bestehenden Schöpfung berufen, ist 2. Petrus 3,12. Dieser Vers ist irreführend, denn obwohl er davon spricht, daß die Welt durch Feuer aufgelöst wird und eine neue Schöpfung entsteht, ist das dort für „neu“ verwendete Wort im Griechischen wieder kainos, nicht neos. Es ist also nicht etwas gänzlich Neues, sondern etwas Erneuertes, umgestaltet, neu geformt. Damit ist es die Vernichtung eines Aspekts, aber die Fortdauer einer grundlegenden Realität.

Doctor Schilder, einer der großen Kommentatoren der Kirche, hat die Tragweite dieses Umstandes erkannt und dazu Stellung genommen; ich zitiere: »Daher wird es nicht genügen zu sagen, jene Dinge, die vergehen, hätten nur relativen Wert. Das sind die Dinge dieser Schöpfung, und nur das, was bleibt, habe absoluten Wert. Was vorübergeht und vergeht, ist in Gottes Ratschluß eingeschlossen und hat daher gleichen Wert mit dem, was bleibt, das durch seinen Ratschluß gegründet ist. Alles hat Wert in der Geschichte und daher für die Ewigkeit. Alles, was dem Willen Gottes entspricht. Der Himmel hat großen Wert, aber auch die Erde von heute. Der Himmel der Zukunft hat großen Wert, aber der Himmel von heute nicht weniger. Weil Gott in der Geschichte wirkt, ist der Embryo dem ausgereiften Leibe an Wert gleich. Der Leichnam mit einem gesunden Leibe, denn in allem erreicht er seinen Zweck, sei es, daß sein Wort etwas ins Dasein ruft oder es zur Rückkehr in den Staub auffordert, es kommt nicht darauf an. Durch jenes Wort hat die ganze Geschichte ihren Wert.«

Mit anderen Worten: Nichts geschieht ohne Zweck, und der Zweck in allem wird in der neuen Schöpfung erfüllt. In zwei Versen erhalten wir einen Blick auf jene neue Schöpfung. Offenbarung 21,3:

»Und ich hörte eine große Stimme aus dem Himmel, die sprach: Siehe, die Hütte Gottes ist bei den Menschen, und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein und ihr Gott sein.«

und Vers 22 desselben Kapitels:

»Und ich sah keinen Tempel darin. Denn der Herr, Gott, der Allmächtige, und das Lamm sind ihr Tempel.«

Deutlich erklären diese Verse, daß die Gemeinschaft mit Gott in der neuen Schöpfung eine volle und herrliche sein wird, die die des Gartens Eden übertrifft. Gott ist bei den Menschen, er wird bei ihnen wohnen. Gott selbst wird bei ihnen sein. Diese Aussagen werden im dritten Vers nachdrücklich getroffen. So ist das Wesen der neuen Schöpfung diese volle Gemeinschaft mit Gott. Doch gibt es einen weiteren sehr wichtigen Aspekt, der in den Hinweisen auf die Hütte und den Tempel zum Ausdruck kommt. Betrachten wir die neue Schöpfung von der Perspektive dieser Welt aus, so sehen wir sie als das Ende der Reise. So daß wir, wenn wir auf die neue Schöpfung blicken, uns fühlen wie Israel in der Wüste. Und dieser Vergleich wird in der Bibel gezogen, im Hebräerbrief beispielsweise und anderswo. Wir sind auf einer Reise, auf einer Pilgerfahrt zur neuen Schöpfung, die in der Tat nicht nur der Endpunkt, sondern die feste Wohnstätte ist. Heimat.

Während Israels Wüstenwanderung war die Stiftshütte der Thronsaal Gottes und das Zentrum des Volkes – der Ort der Anbetung und der Ort der Regierung. Sie stand in der Mitte des Lagers. Stiftshütte ist schlicht ein anderes Wort für Zelt, und die Stiftshütte war ein überaus kostbares, überaus prunkvolles Zelt. Als man in der verheißenen Erde ankam und in Jerusalem eine Hauptstadt hatte, wich die Stiftshütte dem Tempel. Der Tempel war eine bleibende Wohnung, ein Haus. Das hebräische Wort für Tempel bedeutet wörtlich: Haus. Das Haus Gottes. Sein Palast, Sein Thronsaal. Doch wird uns nachdrücklich gesagt, daß es in der neuen Schöpfung keinen Tempel geben wird. Daß der Herr, Gott der Allmächtige, und das Lamm deren Tempel sind. Aber wir führen eine neue Gestalt ein … die Stiftshütte. Das ist überraschend!

Wir würden die neue Schöpfung als Endpunkt betrachten, und in der Tat wird uns gesagt, daß sie von der irdischen Perspektive aus einer ist. Doch sobald wir in die neue Schöpfung eintreten, heißt es: Nein, dies ist nicht der Endpunkt, dies ist ein neuer Anfang. Einer, der in Anfang und Prozeß lauter Vollkommenheit ist. Möglichkeit und Wirklichkeit sind in jener neuen Schöpfung eins. Aber der Tempel verschwindet in der neuen Schöpfung, und die Stiftshütte kehrt zurück. Als Symbol des königlichen Zeltes für das Leben auf dem Marsch! Das ist der Rahmen der Stiftshütte. Eine Reise, eine Wallfahrt, ein Marsch, die Stiftshütte, das Zelt, das gemacht war, um von Ort zu Ort bewegt zu werden, nicht stillzustehen. Etwas, das ständig bewegt werden soll, nicht stillzustehen. Etwas, das ständig von hier nach dort und weiter dorthin bewegt wird, auf einer Reise.

Nun ist der Gebrauch eines so wichtigen und aussagekräftigen Symbols nicht zufällig. Was es eindeutig bedeutet, zusammen mit dem Bild und

Offenbarung 22,3 »Seine Knechte werden Ihm dienen«,

ist, daß in der neuen Schöpfung dem Menschen ein ganzer neuer Horizont von Arbeit, von Herrschaft, von Bewegung eröffnet wird. Es wird Bewegung sein, es wird Arbeit sein, es wird Herrschaft sein ohne den Fluch und ohne den Tod. Unser Herr hat dies sehr deutlich ausgesagt. Sagte Er nicht im Gleichnis von den anvertrauten Talenten, daß jene, die ihre Talente in dieser Arbeit gut gebrauchen, mit größerer Autorität und größerer Gelegenheit belohnt werden, sie in der kommenden Welt zu gebrauchen?

Matthäus 25,21.23: »Wohlan, du guter und treuer Knecht! Über zehn Städte sollst du herrschen.« — »Wohlan, du guter und treuer Knecht! Über fünf Städte sollst du herrschen.«

Sehr deutlich war das Gleichnis unseres Herrn, das ein Gleichnis des Gerichts ist, daß jene, die in dieser Welt ihre Talente weise gebraucht und entwickelt haben, um so größere Gelegenheit haben werden, sie in der kommenden Welt zu gebrauchen. Größere Autorität, größere Dimensionen für die Entfaltung ihrer Möglichkeit.

Unsere Vorstellung von der kommenden Welt, von der neuen Schöpfung, ist von heidnischen und nicht von biblischen Quellen geprägt. Im Heidentum wird die jenseitige Welt als das Jenseits bezeichnet, und dieser Ausdruck schleicht sich wieder in unsere Sprache ein. Er ist sehr aufschlußreich. Was bedeutet er? Genau das, was er sagt: Nach-Leben. Das wahre Leben fand hier statt, und die kommende Welt ist im Heidentum ein Nachleben, man ist gerade noch am Leben. In vielen Sprachen, so bei den Römern und Griechen und anderen, war das Wort für die Verstorbenen „Schatten“.

Sie waren Schatten ihrer selbst. Ihr Leben war kein wirkliches Leben, sondern ein eitles Sehnen nach dieser Welt. Als Folge findet sich überall in der Welt unter Heiden diese Furcht vor den Toten. Noch vor einigen Jahren, als ethnische Witze häufiger waren, hörte man viele Witze über Neger und Friedhöfe und dergleichen. Solche Witze beruhten auf Tatsache, denn aufgrund ihres Hintergrunds afrikanischen Heidentums war die Furcht vor den Toten unter ihnen gewaltig und ist es noch. Ich habe mit Menschen gesprochen, die in verschiedenen Teilen der Welt lebten, und sie fanden, daß unter Heiden, seien es Chinesen oder andere, irgendwo in der Welt, die Furcht vor den Toten ein gewaltiges Phänomen war.

Ich lebte achteinhalb Jahre unter Indianern in einem Indianerreservat, und ganz gleich, wie sehr sie jemanden liebten, in dem Moment, da er tot war, wurde er zum Feind. Denn von diesem Moment an war er als bleicher, dahinsiechender Geist im Nachleben eifersüchtig auf jene, die er in dieser Welt am meisten liebte. Eifersüchtig auf das Privileg, das sie hatten, wirklich lebendig zu sein, und deshalb war er ein Feind. So geschah es, daß der Verstorbene augenblicklich hastig aus dem Haus in ein nahegelegenes Zelt gebracht wurde, und Zweige von Rosenbüschen wurden über den Leichnam gelegt, um die Geister daran zu hindern, hinauszukriechen und hinter seinen Verwandten her zu sein. Er war jemand, vor dem man sich fürchtete.

Dies finden wir überall. Ein Geist, gefürchtet im Altertum, gefürchtet im Heidentum, Geister, die ein bleiches, schattenhaftes Leben führen und die Lebenden als die Begünstigten beneiden und ihnen grollen. Das Leben der Ghule wird überall als statisch, sinnlos, zwecklos dargestellt. Und als Folge die Furcht der Heiden vor den Toten. Dies ist nicht biblisch.

Es wird gelehrt, daß die zukünftige Welt ein reicheres Leben in Christus sei. Wenn wir Christen werden, besitzen wir dieses reichere Leben bereits hier und jetzt, und es wächst durch alle Ewigkeit hindurch. Die Bibel legt Nachdruck darauf, daß im Vorsatz Gottes eine Beständigkeit besteht. Dem Menschen ist ein herrliches Schicksal bestimmt: Er, der geschaffen wurde, Gott in dieser Welt zu dienen und zu verherrlichen, wird dies durch alle Ewigkeit hindurch in der Fülle seiner Fähigkeit tun. Er erfreut sich der vollen Selbstentfaltung, eines Zwecks und Sinns des Lebens durch alle Ewigkeit hindurch sowie eines erfüllten Lebens. Kurz gesagt: In Gottes glorreicher Schöpfung steht eindeutig das Beste noch bevor.

Der Unterschied zwischen Himmel und Hölle läßt sich, wie C. S. Lewis in den Screwtape Letters darlegt, auf eine einfache Formel bringen: Der Himmel ist die Wohnstatt jener, die zu Gott sagen: „Dein Wille geschehe“, die Hölle die Wohnstatt jener, denen Gott sagt: „Dein Wille geschehe.“ Man kann Menschen nicht zwingen, etwas anderes zu sein, als sie sein wollen. Wer in der Hölle ist, begehrt jene totale existenzielle Isolation, in der er sein eigenes Universum darstellt. Solche Menschen gibt es viele; das Letzte, was sie wünschen, ist, aus ihrer vollständigen Abgeschlossenheit, aus ihrer radikalen Selbstbezogenheit herausgerissen zu werden. Sie wollen für sich leben, und falls jemand in ihrer Welt existiert, soll er ihr Geschöpf sein, während sie selbst sein Gott sind.

Gott spricht daher: „Gut, so sei es. Du hast dein Universum durch alle Ewigkeit. Dein Wille geschehe.“

In der heidnischen Welt findet sich Pflege der Leiber ausschließlich dort, wo Ahnenkultus betrieben wird. Wo Ahnen verehrt werden, werden die Leiber gefürchtet, aber auch gepflegt, weil Vater und Mutter, Großvater und Großmutter nun als Götter gelten und Verehrung fordern. Man mag sie lieber tot wissen, doch vollzieht man dennoch die Formen der Ehrerbietung. Abseits des Ahnenkultus herrscht Abscheu vor dem toten Leib; man beseitigt ihn so schnell wie möglich. Er soll aus den Augen und aus dem Sinn geraten, wird hastig begraben oder verbrannt oder auf sonstige Weise beseitigt.

Erst unter den Christen der frühen Kirche und in gewissem Maße unter den Gläubigen des Alten Bundes findet sich Achtung vor den Leibern der Toten und die Überzeugung, daß der Friedhof kein Ort des Schreckens ist, sondern ein Ort, an denen man denen Ehre erweist, die man liebte. Rasch wurden Friedhöfe so zu Stätten, an denen man sich versammelte, um der Verstorbenen zu gedenken und für ihre Leiber zu sorgen, und machten deutlich, daß sie für die Gläubigen keine Stätten des Grauens waren. Schon in den frühen Jahrhunderten wurde der Kirchhof zum Friedhof; die Menschen fühlten sich dort vollkommen heimisch, hielten dort Picknick und dergleichen. Ein Friede mit den Toten, eine Freude an ihrem Schicksal stellte sich ein.

Weil man sich verpflichtet fühlte, mit der christlichen Tradition zu brechen, und weil Menschen, die ein schlechtes Gewissen ihren Angehörigen gegenüber hatten, dazu neigten, bei Beerdigungen übermäßig hohe Ausgaben zu tätigen, hat sich eine gewisse Entwicklung vollzogen. Dies ist ein sehr häufiger Faktor, und die Vorstellung, Bestattungsinstitute würden die Menschen ausbeuten, ist hier abwegig. Ich war an vielleicht sechshundert bis siebenhundert Beerdigungen beteiligt, und kein Bestattungsinstitut — man stößt zwar ab und zu auf ein schlechtes — muß die Menschen zu Mehrausgaben drängen; die Menschen sind vielmehr bestrebt, es zu übertreiben, besonders wenn sie ein schlechtes Gewissen gegenüber dem Verstorbenen haben.

Was sich nun abzeichnet, ist erneut eine heidnische Einstellung: man will die Toten loswerden. Der Tod ist das Letzte, worüber die Menschen sprechen oder wor mit sie sich befassen wollen, weil die heidnische Todesfurcht sich wieder geltend macht. Man beobachtet den Aufstieg des Okkultismus, und mit ihm eine Neugier auf die jenseitige Welt. Auf dem Fuße folgt die Furcht unter vielen, die sich damit befaßt haben, so daß wir uns in einer Phase einer sehr deutlichen Wiederbelebung des Heidentums befinden.

Die Vorstellung der Reinkarnation ist Bestandteil der altindischen Philosophie, die lehrt, die Welt sei sinnlos und ein endloser Zyklus zweckloser, punktloser Wiederholung. Bei Nietzsche wurde diese Idee der ewigen Wiederkehr wieder in die Welt eingeführt — bei Nietzsche und in dessen „Radikalem Testament“ letztlich —, und sie ist wieder sehr prominent geworden. Letztlich ist es jedoch ein Begriff der Sinnlosigkeit und Zwecklosigkeit.

Bei unserer persönlichen Wiedergeburt sind wir derselbe Mensch, aber wir haben ein neues Herz; wir dienen nun Christus statt uns selbst. Ähnlich verhält es sich mit der neuen Schöpfung: sie ist eine weit umfassendere Umgestaltung des Physischen und Geistigen, aber auch sie ist eine Wiedergeburt aller Dinge. Dieses Wort wird wörtlich gebraucht — eine Wiedergeburt aller Dinge —, um diese Schöpfung zu beschreiben.

Das Reich Gottes ist die Herrschaft, die totale Autorität Gottes, und das Reich Gottes existiert hier und jetzt, wo immer wir Gott dienen. Es existiert in unserer Mitte, in unseren Häusern, in unserem persönlichen Leben, und wir sollen daran arbeiten — gleichwie wir beten —, dieses Reich in unserer Mitte, in unseren Gemeinden, in unserer Arbeit, in unseren Organisationen, in unseren Völkern einzuführen. Die Fülle dieses Reiches kommt mit der neuen Schöpfung. Dort haben wir das vollkommene, totale Reich Gottes.

Die Feuerbestattung ist heidnischen Ursprungs und drückt im Kern eine Geringschätzung des Leibes aus, nicht Achtung vor ihm. Zwar läßt sich dies nicht uneingeschränkt auf die heutige Praxis übertragen, doch kehrt eine vergleichbare Gesinnung wieder.

Der Einfluß des Neuplatonismus auf das Christentum war verhängnisvoll. Entgegen der landläufigen Meinung, die Griechen hätten den Leib vergöttert, pflegte der Neuplatonismus eine wirkliche Leibesfeindschaft. In der Gegenwart sind sowohl die Hippie-Bewegung als auch der Marxismus im Kern neuplatonistisch; diese Einsicht erhellt die geistigen Fronten der Zeit.

Die Auferstehung Christi markiert den Anfang der neuen Schöpfung; Er ist die Erstlingsfrucht derselben. Alle Gläubigen sind Glieder des Reiches Gottes und Bürger dieser neuen Schöpfung. Ihre volle Teilhabe daran steht in der kommenden Welt bevor; gegenwärtig befinden sie sich gleichsam auf einer Pilgerschaft — bereits hineingenommen, doch noch nicht vollendet. Wo immer sie sich aufhalten, genießen sie „exterritoriale Rechte“: ihr Tun und Lassen wird Teil des Reiches. Auch amerikanischer Boden gehört, soweit Gläubige darauf wirken, dem Reich Gottes. Das Ziel besteht darin, Völker, Gemeinden und Arbeitsbereiche zu Gestalten des Reiches zu machen.

Satan ist ein Geschöpf. Mag er den Menschen an Fähigkeiten überragen, so bleibt er doch Geschöpf ohne einer göttlichen Macht vergleichbare Befugnisse. Er vermag die Gedanken nicht zu lesen — ebensowenig wie ein Ehemann die Gedanken seiner Frau, mag er sie auch teilweise ahnen.

Das Thema der Dämonen wird an späterer Stelle behandelt. Der Begriff stammt aus dem Griechischen; seine Etymologie führt zu überraschenden Einsichten in Wesen und Bedeutung dämonischer Mächte.

[Kein übersetzbarer Lehrbuchinhalt in diesem Textabschnitt. Der Abschnitt besteht ausschließlich aus Fragestunde, Zeitgebundenem (Tagespresse 1970) und unleserlichen Publikumsbeiträgen — alles gemäß Regel 3, 4 und 2 auszuscheiden.]

Das biblische Recht fordert, daß das Urteil sich auf die Tat gründet, nicht auf die Absicht. Nichts wird vom Inneren des Menschen gefordert, so daß man nicht sagen kann: nicht schuldig wegen vorübergehender Geistesstörung, oder nicht schuldig am Betrug, weil der Betrug im Geist nicht nachgewiesen werden konnte. Wenn die Tat in ihrer Begehung betrügerisch ist, so ist sie Betrug; das moderne Recht aber, das in die Gedanken der Menschen eindringt, um nach der Gesinnung zu urteilen, bricht zusammen.

Es handelt sich um Betrug, doch die Möglichkeit einer Verurteilung tendiert gegen null; die in den unteren Instanzen erzielten Verurteilungen werden aufgehoben, weil zum Nachweis des Betrugs die Absicht bewiesen werden muß. Wie aber will man in den Geist des Menschen eindringen, um Betrug nachzuweisen? Man müßte darlegen, daß die Person vorsätzlich konspirierte und deutlich machte, sie werde hinabgehen, um Geld von der Sozialhilfe, Medicare, Medicaid zu stehlen. Sie kann einfach sagen: Ich glaubte, ich habe Anspruch darauf, und das ist alles, was gesagt werden kann.