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Martin Bucer Seminar

Rushdoony, «Human Nature» · Lektion 45 · Dritter und vierter Stand · Episode 5

Der Auferstehungsleib

1. Korinther 15,39–50
Nicht alles Fleisch ist dasselbe Fleisch; sondern eines ist der Menschen Fleisch, ein anderes das Fleisch der Tiere, ein anderes das der Fische, ein anderes das der Vögel. Es gibt auch himmlische Leiber und irdische Leiber; aber der Glanz der himmlischen ist ein anderer, und der der irdischen ein anderer. Einer ist der Glanz der Sonne, ein anderer der Glanz des Mondes, ein anderer der Glanz der Sterne; denn ein Stern unterscheidet sich vom andern im Glanz. So ist auch die Auferstehung der Toten. Gesät wird in Verweslichkeit, auferweckt in Unverweslichkeit; gesät in Unehre, auferweckt in Herrlichkeit; gesät in Schwachheit, auferweckt in Kraft; gesät ein natürlicher Leib, auferweckt ein geistlicher Leib. Ist ein natürlicher Leib, so ist auch ein geistlicher Leib. So steht auch geschrieben: „Der erste Mensch, Adam, ward zu einer lebendigen Seele“; der letzte Adam ward zu einem lebendigmachenden Geist. Aber nicht das Geistliche ist das erste, sondern das Natürliche; danach das Geistliche. Der erste Mensch ist von der Erde, irdisch; der zweite Mensch ist der Herr vom Himmel. Wie der Irdische ist, so sind auch die Irdischen; und wie der Himmlische ist, so sind auch die Himmlischen. Und wie wir das Bild des Irdischen getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen. Das sage ich aber, Brüder: Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht erben; auch erbt das Verwesliche nicht das Unverwesliche.

Die heidnische Vorstellung der jenseitigen Welt ist die eines Nachlebens. Was immer sie über die kommende Welt glauben, läuft darauf hinaus, daß es sich um ein Nachleben handelt, nicht um echtes Leben. Es ist bleich, schattenhaft, im Grunde bedeutungslos. Bei Platon überlebt beispielsweise nur der Verstand: abstraktes Denken, das abstraktes Denken und Ideen endlos kontempliert. Bei Aristoteles überlebt allein der reine Intellekt, um in den göttlichen Geist aufgenommen zu werden — sehr ähnlich wie in der Christian Science. Homer spiegelt den Volksglauben wider, der zu jener Zeit in der ganzen Welt und besonders in Griechenland verbreitet war. Bei ihm überleben die Schatten: bleiche, schattenhafte Geister, kaum lebendig und nicht wirklich fähig, etwas zu genießen.

Homer vermittelt ein sehr anschauliches Bild des griechischen Volksglaubens. Man findet es auch anderswo, aber Homer gibt es mit besonderer Deutlichkeit. In der Odyssee möchte Odysseus Auskunft von Teiresias erhalten und begibt sich deshalb in die Welt der Schatten, um mit seinem verstorbenen Freund zu sprechen. Da die Toten nur ein sehr schattenhaftes Dasein führen — ein Nachleben eben —, können sie kaum mehr als wenige Worte hervorbringen. Damit sie in der Lage sind, sich ausführlicher zu äußern, Fragen zu beantworten und Auskunft zu geben, müssen sie Blut erhalten. Odysseus opfert daher Tiere, damit die Schatten von diesem Blut trinken und so genügend Lebenskraft zurückgewinnen, um mit ihm zu reden. Natürlich strömten alle Toten der Umgebung herbei, um von dem Blut zu trinken und ein wenig mehr Energie zu erlangen — ein wenig mehr Leben, als nur ein bleicher Schatten zu sein.

Hier zeigt sich unmittelbar, woher der Vampirglaube stammt: direkt aus dem Heidentum. Man findet ihn überall dort, wo dieser Typ heidnischen Glaubens vorherrscht, was fast in der ganzen Welt der Fall ist. Vampire sind die Toten, die als bleiche Geister das Bedürfnis nach Blut — menschlichem Blut — verspüren, um ein Quäntchen mehr Lebensblut zu gewinnen. Andernfalls bleiben sie bleiche Geister, kaum lebendig, kaum zu irgendetwas fähig. Bezeichnenderweise greifen Vampire in den Legenden zuerst ihre eigenen Familien an: sie grollen deren überlegenem Zustand, lebendiger zu sein. Natürlich gab es auch andere Varianten von Jenseitsvorstellungen. Die stoische Lehre besagte, daß einige Stoiker ein persönliches Gedächtnis in der Seele für verblieben hielten, während andere meinten, es bleibe nur ein bleicher, schattenhafter Rest.

Alle Stoiker lehrten, weil sie eine zyklische Geschichtsauffassung vertraten, daß die Welt periodisch abläuft und völlig vernichtet wird samt allen abgeschiedenen Seelen, worauf nach einer Periode des Chaos alles von neuem beginnt. Diese heidnische Idee ist in der Neuzeit durch Nietzsche und andere wiederbelebt worden. Andere Heiden hielten die Seele für göttlich — daher der Ahnenkult — und hielten es für notwendig, die Toten zu besänftigen, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten; in Rom gab es dementsprechend allerlei Riten zur Besänftigung der Toten.

Es gibt Beispiele eines Jenseitsglaubens, die den Leib einbeziehen: die Ägypter und die Mohammedaner. Sowohl bei den Ägyptern als auch bei den Muslimen bestand der Glaube an irgendeine Art leiblicher Existenz in der kommenden Welt. War dies in irgendeinem Sinne mit der biblischen Lehre vergleichbar? Die Antwort lautet entschieden nein.

Bei den Ägyptern bestand der Glaube, daß der Leib tatsächlich göttlich werde, vergöttlicht werde; das Totenbuch — jene, die zu den Göttern aufgenommen werden, weil ihre guten Werke ihre schlechten überwiegen, daher die Waagschalen der Gerechtigkeit — erklärt: > „Ich fühle, wie meine Hände zu Händen eines Gottes werden und meine Füße zu Füßen eines Gottes und meine Fingernägel zu Fingernägeln eines Gottes“ und so weiter.

Aber auch bei den Muslimen, die ihre Vorstellungen zum Teil aus der Bibel entlehnten, gibt es keine wahrhaft biblische Auffassung von der Auferstehung des Leibes. Warum? Weil bei den Muslimen, die der Vorstellung einer Auferstehung des Leibes in der heidnischen Welt am nächsten kommen, es dennoch nur ein Jenseits bleibt. Es ist eine Art Ruhestand vom Leben: alles, was die Muslime in der kommenden Welt tun, ist, herumsitzen, ewig essen und kopulieren. Die muslimische Vorstellung der kommenden Welt ist die eines Ruhestands von der Arbeit und der Belohnung mit endlosen Speisen und endlosen Frauen. So ist es auch bei den Muslimen im Grunde ein Ruhestand vom Leben, ein Jenseits, nicht die wirkliche Welt.

Die biblische Sicht ist radikal verschieden von allem Heidentum. Zunächst hält sie an der Auferstehung des Leibes fest. Dies, wie angedeutet, findet sich nirgends außer bei den Ägyptern und den Muslimen; und dort handelt es sich eigentlich nur um eine Wiederbelebung des Leibes — derselbe alte Leib, wiederbelebt und befähigt, Dinge zu tun, um sich zu vergnügen. Der heilige Paulus erklärt, daß der Auferstehungsleib ein neuer Leib ist. Und das Leben, in das der Auferstehungsleib eintritt, ist eine neue und vollkommene Dimension des Lebens. Anstatt ein Jenseits zu sein, ist es wahres Leben. Es verhält sich zu diesem Leben und zu diesem Leib wie der Same zur Pflanze.

Der Same ist etwas Potentielles. Die Pflanze oder der Baum, der aus ihm hervorgeht, ist die Fülle, die Wirklichkeit. So sagt der heilige Paulus, sei dies vergleichbar mit dem Verhältnis zwischen dem Auferstehungsleib und diesem Leib. Er fährt fort: Es ist Fleisch, aber nicht dasselbe Fleisch. Und er sagt: Gerade wie es Unterschiede gibt zwischen dem Fleisch der Menschen, dem Fleisch der Tiere, der Fische und der Vögel, so gibt es Unterschiede zwischen den Leibern dieser Welt und den Leibern der zukünftigen Welt, zwischen himmlischen Leibern und irdischen Leibern. Es ist ein leiblicher Leib, es ist Fleisch, aber von gänzlich anderer Art.

Dann fährt er fort: Es wird in Verweslichkeit gesät, es wird in Unverweslichkeit auferweckt; es wird in Unehre gesät, es wird in Herrlichkeit auferweckt; es wird in Schwachheit gesät, es wird in Kraft auferweckt. Mit diesen Begriffen — Verweslichkeit, Unehre, Schwachheit — verweist er darauf, daß unser Leib dadurch entehrt ist, daß er vergeht, stirbt. Er ist der Schwachheit des Fleisches, des Fleisches dieses Lebens. Doch all diese Schwächen sind im zukünftigen Leben dahin. Er wird in Herrlichkeit und Kraft auferweckt; es wird ein natürlicher Leib gesät, aber ein geistlicher Leib wird auferweckt. Es gibt einen natürlichen Leib, und es gibt einen geistlichen Leib.

Unter geistlichem Leib meint er nicht, daß er Geist sei, also unkörperlich; er meint vielmehr einen Leib, der durch den Geist belebt, durch den heiligen Geist lebendig gemacht wird. Zudem verfügt dieser Leib über Fähigkeiten, die uns jetzt noch verborgen sind. Dann fährt der heilige Paulus fort: Der erste Mensch ist von der Erde, irdisch. Der zweite Mensch ist der Herr vom Himmel. Christus kommt als der letzte Adam, ein lebendig machender Geist. Der erste Adam wurde zu einer lebendigen Seele, einem mit tierischem Leben begabten Geschöpf. Christus aber hat das Leben in sich selbst und kann, nach Johannes 5,21–26, Leben geben, wem er will.

Und der heilige Paulus sagt: Doch nicht das Geistliche ist das erste, sondern das Natürliche; danach das Geistliche. Mit anderen Worten: Der heilige Paulus sagt, daß hier ein Gesetz oder Prinzip am Werk ist. Das Niedere geht dem Höheren voraus. In Gottes Ratschluß mit uns liegt eine Entwicklung. Wir werden geboren, bevor wir wiedergeboren werden. Die Geburt geht der Wiedergeburt voraus; daher geht auch die Geburt des Leibes der Wiedergeburt des Leibes zu seiner wahren Herrlichkeit voraus. Und so, wie wir das Bild des Irdischen getragen haben, werden wir das Bild des Himmlischen tragen.

1. Korinther 15,50
Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht erben, auch erbt das Verwesliche nicht das Unverwesliche.

Mit anderen Worten: Der Leib in seiner gegenwärtigen Verfassung kann das Reich nicht erben, noch kann das Sterbliche unsterblich sein. Ein neuer Leib ist erforderlich, und dieser neue Leib wird dem verherrlichten Leib Christi gleichgestaltet. So wird die ganze Schöpfung Gottes in der Auferstehung einen gewaltigen Wandel durchlaufen. Er wird vergleichbar sein dem Wandel, der mit Christus in seiner Auferstehung und Verherrlichung eintrat. Dieser große Wandel betrifft nicht allein den Menschen, er erfaßt die ganze Schöpfung. Und der Apostel Paulus erklärt im Römerbrief, daß die Kreatur, die tierische Schöpfung, seufzt und in Geburtswehen liegt, und die natürliche Schöpfung um uns her, der Boden unter unseren Füßen, die Vegetation, nach der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes harren. Die Auferstehung.

Römer 8,19–21
Denn die sehnsüchtige Erwartung der Kreatur wartet auf die Offenbarung der Kinder Gottes. Denn die Kreatur ist der Vergänglichkeit unterworfen worden — nicht aus eigenem Willen, sondern um deswillen, der sie unterworfen hat — in der Hoffnung, daß auch die Kreatur selbst frei gemacht werden wird von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.

Und wie Calvin und andere große Ausleger durch die Jahrhunderte hindurch dargelegt haben, bedeutet dies eindeutig, daß an der allgemeinen Auferstehung auch die Tiere selbst wie die ganze Schöpfung teilhaben werden. Das Wort Auferstehung ist im Griechischen wörtlich anastasis. Es begegnet im verbreiteten russischen Namen Anastasia. Es bedeutet ein Aufrichten, zum Stehenbringen, und impliziert eine Erhöhung, ein Voranschreiten, einen Sieg. Da das Wort Heil (Erlösung) eine ähnliche Bedeutung hat — Vollkommenheit der Gesundheit, des Sieges —, ist die Auferstehung als das Aufstehen, das Voranschreiten, die Fülle des Heils. Die Fülle des Sieges. Die allgemeine Auferstehung ist somit das Aufstehen, das Aufgerichtetwerden, der Sieg der ganzen Schöpfung.

Die Schöpfung kommt damit zu ihrem Recht. Die neue Schöpfung begann mit der Auferstehung Jesu Christi. Sie setzt sich fort und gipfelt in der allgemeinen Auferstehung der Toten in der neuen Schöpfung. Der ganze Sinn der Geschichte wurde somit in Christus, in seinem Kommen und seiner Auferstehung, dargelegt. Der Sinn der Geschichte liegt daher nicht in der Geschichte, sondern jenseits der Geschichte in Christus. Das Ziel der Geschichte ist nicht bloß in der Geschichte, obgleich der Sieg hier zum Teil verwirklicht wird, sondern jenseits der Geschichte in der neuen Schöpfung. Den Mächten der Finsternis gegenüber stellte Christus seine Auferstehung in der Zeit und seine Herrschaft nach seiner Himmelfahrt in der Ewigkeit dar. Er verkündete in beidem seine Souveränität und seine Macht über alles, was das Leben zerstört. Daß er endlich den Tod selbst vernichten wird, die Macht der Sünde und des Todes wird endgültig für immer verbannt sein.

Paulus erklärt in Römer 11,16:

Denn wenn die Erstlinge heilig sind, so ist auch der Teig heilig; und wenn die Wurzel heilig ist, so sind auch die Zweige heilig.

Damit stellt er ein Prinzip auf. Was Christus betrifft, betrifft daher jeden von uns, der Glied Christi ist. Er konnte daher in 1. Korinther 15,20 fortfahren:

Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als die Erstlinge der Entschlafenen.

Sein Schicksal ist daher unser Schicksal, weil wir seine Glieder sind.

Die Erbsünde des Menschen bestand darin, wie Gott sein zu wollen. Der philosophische und theologische Begriff, der das absolute, souveräne, selbstbestehende Sein Gottes beschreibt, ist Aseität. Aseität bedeutet, daß Gott aus sich selbst existiert. Er durchwandelt die ganze Ewigkeit, er ist in der ganzen Ewigkeit. Es ist bedeutsam, daß dieser Begriff, der stets auf Gott angewendet wurde, vom modernen Menschen zu einem Begriff gemacht wurde, der den Menschen beschreibt. Das Ziel des Existentialismus ist Aseität für den Menschen! Das ist nicht verwunderlich. Die Erbsünde des Menschen war, wie Gott sein zu wollen, sein eigener Gott sein zu wollen, und der Existentialismus als die letzte und neueste Form des Unglaubens sagt sehr logisch, daß der Mensch streben müsse, Aseität zu erlangen. Vollkommen unabhängig von allen Menschen, von allen Dingen zu sein. Das Ziel des Existentialisten, wie ein Gelehrter (kein Christ) sagte, sei: „Christus in einer christlosen Welt zu werden, alles, was vorher war, zu übernehmen und zu zerstören.“

Folglich haben jene, die den Wunsch hegen, ihre eigenen Götter zu sein, einen Zerstörungstrieb. Sie wollen nichts von dem, was Gott gemacht hat. Daher ist ihre Bestimmung die Hölle. Ein Ort, an dem sie die Existenz niemand sonst anerkennen, weder Gottes noch irgendetwas anderes. Sondern ewig in ihrem Anspruch auf Aseität verharren. In völliger Isolation durch alle Ewigkeit.

Die neue Schöpfung aber bedeutet für uns vollkommene Gemeinschaft mit Gott und in Gott. Weil wir erkennen, daß wir Geschöpfe sind, und daß Jesus Christus unser Erlöser ist und daß wir nur in ihm wahrhaft leben können, finden wir unser Leben in ihm und in der Kraft seiner Wiedergeburt, wir werden seine Glieder und Glieder der neuen Schöpfung, unser Bürgerrecht ist im Himmel, und so finden wir die Fülle der Selbstverwirklichung und des Gottesdienstes in Ewigkeit. In ihm und durch ihn und aus ihm, so daß für uns die Fülle des Lebens Gemeinschaft in Christus und mit Christus durch alle Ewigkeit ist, und jene Fülle des Lebens, die der Auferstehungsleib und seine Gemeinschaft in unserem Herrn und Heiland Jesus Christus ist.

Das Bild Gottes im Menschen besteht in Erkenntnis, Gerechtigkeit, Heiligkeit und Herrschaft. Dies sind die kommunikablen Attribute des göttlichen Bildes, die dem Menschen eigen sind. Der Mensch ist fähig zur Erkenntnis, zur Gerechtigkeit und Heiligkeit; er ist berufen, Herrschaft auszuüben. In diesen Zügen spiegelt sich das kommunikable Wesen Gottes in der Natur des Menschen wider. Dem stehen die inkommunikablen Attribute der göttlichen Natur gegenüber, die nicht Bestandteil des Gottesbildes im Menschen sind.

Die griechisch-orthodoxe Kirche bekennt sich formal zur biblischen Position, ist jedoch von platonischen Vorstellungen durchdrungen, was ihrer Lehre eigentümliche Prägungen verleiht. Gleichwohl hält sie an der biblischen Lehre von der Auferstehung des Leibes fest. Die alten griechischen Ideen haben sich über die orthodoxen Kirchen in den slawischen Gebieten erhalten. In diesen Regionen ist der Glaube an Vampirismus stärker verbreitet als in Gebieten westlich geprägter Tradition; in katholischen Ländern tritt er in abgeschwächter Form auf, in protestantischen nur noch rudimentär.

Der Islam kennt ebenfalls eine Auferstehungslehre. Die sogenannten Black Muslims richten ihr Hauptaugenmerk jedoch auf die Gegenwart. Formal halten sie am islamischen Konzept fest. Viele islamische Gruppen waren stark vom griechischen Denken beeinflußt, so daß in zahlreichen Sekten des Islam eine leiblichkeitsfeindliche, körperlose Jenseitsvorstellung vorherrscht.

Die prophetischen Schilderungen eines friedvollen Zusammenlebens versöhnter Kreaturen — wie sie Jesaja entwirft — beziehen sich auf die Welt vor dem Ende. Sie verweisen auf den Triumph des Volkes Gottes vor dem Weltende und deuten bildhaft auf die Seligkeit des Paradieses hin. In ihrem vollen Sinn wird diese Verheißung in der gegenwärtigen Welt nicht erfüllt; Jesaja gebraucht sie bildhaft. Der Prophet stellt jedoch unzweifelhaft dar, daß diese Zustände dem Ende vorangehen, und schildert sodann das Ende selbst: die Auflösung und Neukonstituierung der gesamten Schöpfung.

Der liberale Glaube an die Zukunft entlehnt sich die Verheißungen der Schrift, während er den Gott der Schrift ablehnt. Dies ist das Wesen der gegenwärtig liberalen Haltung: man will das, was die Bibel verheißt, ohne den Gott der Bibel. Jedesmal, wenn dies in der Geschichte versucht wurde — und es geschah mehrfach in den letzten fünfzehnhundert Jahren —, wandelte sich die biblische Hoffnung auf die Zukunft nach geraumer Zeit in bittere Pessimismus, weil eine biblische Zukunftserwartung ohne den Glauben an den Gott der Schrift nicht aufrechterhalten werden kann. Genau dies wird nun sichtbar: die Enttäuschung über die Zukunft nimmt im radikalen Lager zu. Man kehrt zu den Religionen des Ostens zurück, die das Nichts hinter allem lehren und somit einen totalen Pessimismus vertreten. Dies wird sich weiter verstärken. Eine biblische Hoffnung läßt sich nicht ohne den Gott der Schriften bewahren.

In den Schriften der frühen Siedler dieses Landes findet sich dieselbe Hoffnung: durch das Neue Zion, das sie hier errichteten — so nannten sie es selbst und benutzten diese Sprache, als sie nach York und besonders nach England schrieben, um Menschen in das „Neue Zion Gottes“ zu rufen. Hier wollen wir ein Banner aufrichten, zu dem alle Völker strömen sollen, für die Königsherrschaft Christi, und jene Dinge etablieren, die der Herr gekommen ist, und darauf hinarbeiten.

Das Alte Testament ist vollständig auf Hebräisch abgefaßt, abgesehen von kurzen Abschnitten in Aramäisch, einer späteren Form des Hebräischen. Das Neue Testament wurde, soweit bekannt, in der Koine-Griechisch verfaßt. Die Koine war das Geschäftsgriechisch, das zur damaligen Zeit in der ganzen Welt verbreitet war. Es war eine leicht zu erlernende Sprache, da sie über einen begrenzten Wortschatz verfügte, aber sehr ausdruckskräftig war. Einige Gelehrte vertreten die Ansicht, das Neue Testament sei ursprünglich auf Aramäisch geschrieben und dann in die Koine übersetzt worden. Dafür mag es gewisse Hinweise geben, doch ist diese These zweifelhaft.

Der grundlegende Text des Alten Testaments ist der masoretische, der hebräische Text. Daneben existiert die Septuaginta, die manche Gelehrte heranziehen und andere vorziehen. Die Septuaginta, in Handschriften oft mit LXX bezeichnet — siebzig, weil der Überlieferung nach siebzig Übersetzer an ihr wirkten —, ist die griechische Übersetzung des masoretischen Textes. Sie ist ein sehr wertvolles Hilfsmittel zum Verständnis des masoretischen Textes, kann ihn jedoch niemals ersetzen. Ihr Nutzen liegt darin, daß sie Aufschluß über die Bedeutung vieler Wörter des masoretischen Textes gibt. Einige dieser Wörter sind veraltet geworden, ihre Bedeutung ist uns nicht mehr geläufig. Da sie jedoch ein bis zwei Jahrhunderte vor der Zeit unseres Herrn ins Griechische übertragen wurden, läßt sich ihr Sinn oft sehr genau bestimmen. Dies gilt, wie bereits erwähnt, besonders für Tier- und Pflanzennamen, trifft aber auch auf viele andere Begriffe zu.

Ein Beispiel: Hebräische Gelehrte meinen bisweilen, das Wort alma in Jesaja 7,14 bedeute nicht notwendig „Jungfrau“, sondern lediglich „junge Frau“. Die griechische Version gibt es indes eindeutig mit „Jungfrau“ (παρθένος) wieder. Dieser Befund wird herangezogen, um die Bedeutung „Jungfrau“ zu belegen. Inzwischen konnte freilich auch aus anderen hebräischen Verwendungen des Wortes nachgewiesen werden, daß es ausschließlich „Jungfrau“ bedeutet. Doch war die Septuaginta einer der Wege, auf denen der ursprüngliche Sinn ermittelt wurde.

[Kein lehrbuchrelevanter Inhalt. Der Textabschnitt besteht ausschließlich aus Fragerunden, zeitgebundenen Buchempfehlungen und dem Schlusssegen, die gemäß den Regeln zu tilgen sind.]